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Dienstag, 20. August 2019

[Am Anfang war der Ort]

Musikzeitschriften im Portrait: Musik & Kirche

Am Anfang war der Ort

Die Alte Brüderkirche in Kassel als Veranstaltungsraum für besondere Konzerte

von Gabriele Heppe-Knoche, aus: Musik & Kirche 5/2009

Seite 2

Dies allerdings war angesichts der aufwändigen Erhaltungs- und Unterhaltungskosten ohne Unterstützung von außen auf Dauer nicht zu leisten. Die Stiftung Alte Brüderkirche, die seit der Entwidmung für die Nutzung und Erhaltung der Kirche Verantwortung trägt, hat deshalb einen Pachtvertrag für eine Nutzung der Kirche für private Feiern und größere Veranstaltungen mit einem Gastronomen geschlossen. In die Kirche wurden Einbauten mit kleinem Thekentrakt und Toiletten vorgenommen.

Diese Entwicklung hin zu einer kommerziellen Nutzung hat einige Pfarrer und Musiker veranlasst, das Projekt ?achtmal alte brüderkirche? ins Leben zu rufen, um den Jahrhunderte alten Kirchenraum als einen aus dem Geist des Christentums heraus gestalteten öffentlichen Raum durch eine besondere Veranstaltungsform neu sprechen zu lassen und wieder ins Bewusstsein der Stadtöffentlichkeit zu rücken.

So begann im Jahr 2004 die Reihe ?achtmal alte brüderkirche?, in der an acht Abenden im Sommer neue Musik, Bildende Kunst und Sprache zueinander geführt werden. Musiker- und Musikerinnen, Komponisten, Künstler und Theologen werden eingeladen und erarbeiten gemeinsam für jeden Abend eine eigene ?Liturgie? zu unterschiedlichen Themenschwerpunk-ten, die das Projektteam vorgibt. Dieser Trialog erweist sich als ein kreativer Prozess, der immer wieder eigenwillige und spirituell anregende Inszenierungen hervorbringt. Dabei bildet der Kirchenraum mit der Geschichte und Tradition, die er verkörpert, immer wieder einen wichtigen Bezugspunkt.

Insbesondere für die bildende Kunst gilt dieser Bezug zum Raum. Durch Eingriffe in seine Gestalt, durch das Spielen mit Außen und Innen, durch Anordnungen im Raum mit ungewohnten Perspektiven, wird den Besuchern ein neues Seherlebnis eröffnet,

  • wenn der gotische Kirchenraum durch lange Stoffbahnen an Metallgestellen in kleine Kammern unterteilt wird und der Blick nicht mehr das ganze Kirchenschiff durchdringen kann,
  • wenn die Kirche den Duft von frischem Gras ausströmt, weil der Boden mit Rollrasen ausgelegt ist, über den die Besucher flanieren können,
  • wenn ein Steinlabyrinth, das den ganzen Boden ausfüllt, dazu einlädt, den Weg ins Innere zu gehen.

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