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Sonntag, 22. April 2018

[Josef Matthias Hauer]

Musikzeitschriften im Portrait: Österreichische Musikzeitschrift

Josef Matthias Hauer

Sonderheft zum Jubiläumsjahr

von Joachim Diederichs, Marion Diederichs-Lafite, aus: Österreichische Musikzeitschrift 08/2009
Er war gerne Mittelpunkt, saß auf einem Königsstuhl und wusste den Weg zu weisen: farbig vom fis zum c, vom Dunklen zum Hellen oder vom Chaos zur Einheit.

Als es in der Musik in Wien um höchste Stufen der Vergeistigung ging – wenn Schönberg im II. Streichquartett 1908 in atonale Zonen intensivsten Ausdrucks vorstieß oder Mahler in der IX. Symphonie mit Grenzen zwischen Noch-Musik und Schon-Ruhe zum Kern des Seins vor der Ewigkeit findet –, da gewann Josef Matthias Hauer um 1910-12 sein Kompositionsprinzip: Musik als Bewegung in ganzheitlicher Struktur.

Wo heute Atonalität als Begriff geläufig ist, erscheint es erwähnenswert, dass Hauer durch Publikation wie Präsentation nicht nur die Debatte dazu ab 1919 angeführt hatte, sondern diesen Begriff als einziger kontinuierlich und sodann auch identisch mit dem der Zwölftonmusik verwendete. Hauers Musik-Konzeption wurde durch Johannes Itten und das Bauhaus gefestigt und ausgebaut. Das betrifft Klärung der Grundelemente als elementare „Bausteine“ und die Suche nach prinzipieller „Einheit aller Künste“. Hauers an Itten übersandtes Sonnenmelos – mit seinem eigenen Text und seinem ersten Manifest an alle Künstler versehen – ist eine Ikone der geistigen Ganzheit, von Mensch und Gesellschaft (siehe S. 32, mehr in ÖMZ 60/4, S. 25-33).

Vorgeworfen wurde Hauer musikalische Einfachheit, vorgehalten auch die Radikalität des Ich-Standpunkts, philosophisch angeblich bis zur „Ich-Einsamkeit“. Jedoch immer betraf Hauers Denken den kreativen Kern, er vermochte strukturell anregend auf Künstler aller Sparten einzuwirken. Durch Hauers Strukturdenken (Apokalyptische Fantasie op. 5 / Über die Klangfarbe op. 13, / Nomos op. 19) wurde der Musikbegriff radikal anders und durch die Avantgarden der 50/60er Jahre neu als gewichtig eingeschätzt.

Nach den Einschnürungen innerer Emigration strebte Hauer nach umfassender Aufmerksamkeit in Österreich. Weiter orientiert war er auf Darmstadt, speziell zum Kongress für Zwölftonmusik 1951 (Querschnitt S. 64-67 ); bestens vorbereitet setzten sich sowohl dort die IGNM-Österreich als auch der Hauer-Schüler Herman Heiß für diese strukturelle Musik ein, um von dieser objektiven Spielart der Wiener Schule des Komponierens aus weitere Wege in die Zukunft zu finden. Doch nach heftigen Debatten in Darmstadt um Schönbergs expressionistische Verankerung wurde Webern der Wegweiser zur neueren seriellen Musik. Heute in „postmoderner“ Befreiung von Ideologien und jenseits von Prioritätenstreitigkeit, sollte es möglich sein, dass auch der Weg Hauers seine angemessene musikgeschichtlich Positionierung findet. Dieses Heft will dazu einen Beitrag leisten!

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