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Donnerstag, 25. April 2019

[Neues zu Mendelssohn (I)]

Musikzeitschriften im Portrait: Österreichische Musikzeitschrift

Neues zu Mendelssohn (I)

Zum lesen, spielen, hören

von Ralf Wehner, aus: Österreichische Musikzeitschrift 07/2009

Seite 2

Wer sich dagegen innerhalb weniger Stunden, etwa an nur einem Wochenende, einen schnellen Überblick über Mendelssohns Leben und ?uvre verschaffen will, kann dies bequem mit einer kleinen Biographie von Andreas Eichhorn tun. Natürlich ist bei einem solchen Taschenbuch nur das Nachzeichnen der großen Entwicklungslinien und das Betrachten der wichtigsten Werke möglich. Das Buch bietet also fast ausschließlich Informationen, die es nicht auch anderswo gäbe. Doch zeigt Eichhorn, der in der Vergangenheit bereits mit zwei monographischen Arbeiten zur Hebriden-Ouvertüre sowie zum Elias hervorgetreten ist, einfühlsam und kenntnisreich das vielfältige Wirken Mendelssohns und beleuchtet die Hintergründe seines phänomenalen Aufstiegs und postumen Verfalls. Als Einschränkung wirkt der völlige Verzicht auf Fußnoten und damit die fehlende Möglichkeit, die Zitate in ihrem Kontext nachzuvollziehen.

Dominierte bei den genannten Biographien naturgemäß das Wort, so steht bei zwei Veröffentlichungen von Hans-Günter Klein das visuelle Elemente im Mittelpunkt. Klein, seit über 25 Jahren mit Veröffentlichungen ungedruckter Dokumente Fanny Hensels und ihres Bruders Felix hervorgetreten, gab zunächst das Faksimile des im Schweizer Urlaub des Jahres 1842 entstandenen Zeichenbuches heraus: eindrückliche Beispiele für Mendelssohns Fähigkeit, komplexe Gebirgslandschaften mit Bleistift aufs Papier zu bannen. Im Auftrag der Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Stiftung in Leipzig erarbeitete Klein zudem einen als eine Art ewigen Kalender aufgebauten, opulent bebilderten Almanach. Auf 365 Seiten sind für jeden Tag eines Jahres ? mit Ausnahme des 29. Februar ? jeweils eine Seite mit einem kurzen Schriftdokument, einer Zeichnung, einem Faksimile eines Wortbeitrages oder Musikstückes oder einem gedruckten historischen Dokument (Programmzettel, Erstdruck-Titelblatt u.a.) vorgesehen. So erschließt sich beim Durchblättern oder beim täglichen Öffnen des Almanachs das kaleidoskopartige Spektrum der Welt von Felix Mendelssohn Bartholdy und seinen Zeitgenossen. Das Umfeld, in dem sich Mendelssohn bewegte, wird auch im nunmehr bereits zweiten Sammelband Hamburger Mendelssohn-Vorträge beleuchtet. Dabei handelt es sich um Schriftfassungen von insgesamt neun Vorträgen, die in regelmäßigen Abständen im Rahmen der Internationalen Felix Mendelssohn-Bartholdy-Gesellschaft in Hamburg in den letzten Jahren gehalten wurden: Texten über das Verhältnis zu Personen wie Goethe (Eckart Kleßmann), Fanny Hensel (Magda Marx-Weber) und Abraham Mendelssohn Bartholdy (H.-G. Klein) stehen Bemerkungen zu speziellen Themenbereichen gegenüber. Den Fokus bilden Mendelssohns Streichquartettschaffen (Friedhelm Krummacher), die Ballade Die erste Walpurgisnacht (Georg Borchardt), Mendelssohns Theologie-Verständnis, dargestellt anhand der Oratorien und Oratorienpläne (Martin Staehelin), sein Wirken in Düsseldorf und für die Niederrheinischen Musikfeste (Jürgen Simon), seine Verdienste als Briefschreiber (H.-G. Klein) und ? durch etliche, teilweise farbige Abbildungen illustriert ? Überlegungen zu Mendelssohns Aktivitäten als Zeichner und Maler (Dorothea Schröder). Die Vielfalt der Themen und der unterschiedliche Zugang der Referenten zur Künstlerpersönlichkeit Mendelssohn machen den Reiz dieser inhaltlich wie optisch ansprechenden Publikation aus.

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