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Mittwoch, 19. September 2018

[Erfurt]

Musikzeitschriften im Portrait: Musik & Kirche

Erfurt

Ein kirchenmusikalisches Städteporträt

von Sebastian Nickel, aus: Musik & Kirche 3/2009
Nachdem Erfurt 742 als Bischofssitz von Bonifatius gegründet worden war, entfaltete sich vor allem in den Klöstern und Stiften auf dem Gebiet des liturgischen Gesangs bald eine fruchtbare und vielseitige musikalische Tätigkeit. Mit der Universität als geistigem Zentrum gab es im 16. Jahrhundert in der Musikpflege in Erfurt eine ausgesprochene Blütezeit, wozu auch die örtlichen Notendruckereien beitrugen. So gehört das 1524 in Erfurt erschienene Erfurter Enchiridion zu den frühesten lutherischen Gesangbüchern. Während sich die Kantoreien im 16. Jahrhundert in ganz Deutschland ausbreiteten, hat sich in Erfurt hingegen das Spielmanns- und Stadtpfeiffertum unter der Führung Johann Bachs, dem Stammvater der Erfurter Bache, die das kirchenmusikalische Leben der Stadt über Jahrzehnte maßgeblich mitbestimmten, stark ausgeprägt. Herausragende, über die Grenzen der Domstadt hinweg ausstrahlende kirchenmusikalische Tätigkeit setzte mit dem Amtsantritt Johann Pachelbels 1678 an der Predigerkirche ein. Dieser einflussreiche Vertreter der süddeutschen Orgeltradition baute in Erfurt einen bedeutsamen Schülerkreis auf, dem u. a. Johann Heinrich Buttstett und Johann Christoph Bach angehörten. Die Tradition der Pachelbel-Schule setzte sich bis zu dem Buttstett-Schüler Johann Gottfried Walther ins erste Drittel des 18. Jahrhunderts fort. Unter den Prediger-Organisten der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ist Johann Christian Kittel als bedeutender Vertreter hervorzuheben. Mit der einsetzenden Säkularisation der Klöster am Anfang des 19. Jahrhunderts endete eine jahrhundertealte kirchenmusikalische Tradition und die städtische Musikkultur erreichte einen Tiefpunkt. Erst durch die Gründung von Musikvereinen 1819/1826 mit Chören und Orchestern konnte ein reiches städtisches Musikleben wieder aufgebaut werden. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts machte sich der Komponist und Musikpädagoge Richard Wetz als Leiter des Erfurter Musikvereins, und nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem die Kirchenmusiker Günter Vogel (Andreas- und Augustinerkirche), Johannes Schäfer (Predigerkirche), Gerhard Häußler (Reglerkirche) und Paul Wuttke (Thomaskirche) um die Pflege bzw. den Wiederaufbau der Kirchenmusik in Erfurt verdient.

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