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Mittwoch, 23. September 2020

[Atonalität]

Musikzeitschriften im Portrait: Österreichische Musikzeitschrift

Atonalität

Neue Bücher sowie Veranstaltung kritisch betrachtet

von F.Celestini, R.Stephan, P.Schweinhardt, J.Siebert, aus: Österreichische Musikzeitschrift 05/2009

Seite 2

Christian Glanz: Hanns Eisler. Werk und Leben (Neue Musikportraits, Hg. Manfred Wagner, Bd. IV). Wien, Edition Steinbauer 2008. 168 S. 26,50 E. Die ziemlich produktive Folge der „Neuen Musikportraits“ hat als vierten Band eine Monographie über „Werk und Leben“ – so der ironisch-ambitionierte Reihen-Untertitel – des mehrfach verlorenen österreichischen Sohnes Hanns Eisler hervorgebracht. Eisler dürfte sich selbst in Fortsetzung der ersten drei Bände recht wohlgefühlt haben, in Gesellschaft von Schönberg, Mozart und wohl auch von Franz von Suppé. Mit Richard Strauss (Band 5) wäre er wohl weniger einverstanden gewesen, galt ihm dieser doch als Inbegriff der ideologischen und kompositorischen Reaktion.Nicht geschlossen chronologisch-biographisch, sondern essayhaft problemorientiert umreißt der Autor dieser gut lesbaren und lesenswerten Eisler-Biographie seinen Gegenstand in sieben „Eisler-und“-Abschnitten: Politik, Schönberg, Kampfmusik, Film, Lied, Nationalhymne und schließlich „Eisler-Sound“. Das Buch ist flott geschrieben, teils mit offenkundiger Freude an feuilletonistischer Darstellung: besonders auffällig das Kapitel über die DDR-Nationalhymne, wo Glanz’ Schilderung des von Peter Kreuder gegen Eisler angestrengten Plagiatsprozesses – der Unterschied der Melodien sei lediglich „Kreuders zickige Synkope“ – im ironischen Vorschlag mündet: „Vielleicht sollte man einen Film daraus machen“ (S. 120). Glanz wertet weite Teile der älteren und neueren Sekundärliteratur zum Thema aus und paraphrasiert diese mit dem Ziel, „am Beispiel einiger grundlegender Strukturen in Werk und Leben des österreichischen Komponisten Hanns Eisler“ einzuführen.

„100 Jahre Atonalität. Herausforderung für die Musiktheorie“. Berlin, Staatl. Institut für Musikforschung Preußischer Kulturbesitz (5./6.2.)n […] Zwei exzellente Konzerte mit beiden Erstlingswerken Schönbergs „atonaler“ Phase riefen eindrucksvoll das unerlässliche Wechselverhältnis von klanglichem Eindruck und theoretischem Hintergrund der Musik in Erinnerung. Eine Aufführung des Liedes Herzgewächse op. 20 durfte zudem als ein Höhepunkt der Veranstaltung gelten. Dieses nicht zuletzt aufgrund seiner eigenwilligen Besetzung (hoher Sopran, Celesta, Harmonium, Harfe) selten gespielte Werk war mit einem Harmonium des Modells zu hören, das für die Uraufführung im Berliner Harmonium-Saal am 4.2.1912 vorgesehen war. Zusätzliche Attraktion bot eine Austellung mit Autographen und Dokumenten (Arnold Schönberg Center Wien). Ein Aspekt, in R. Stephans Eröffnungsvortrag angesprochen, aber dann nicht mehr vertieft, sei ergänzend angeführt: Der Begriff „Atonalität“ wurde speziell von J. M. Hauer verbreitet, um wie in der „Abstraktion“ der Bildkunst auch in der Musik Vergeistigung zu erreichen. Gesetze dieser neuen Musik umriss er in Büchern, Aufsätzen und vor internationaler Öffentlichkeit beim Plenum der IGNM-Gründung in Salzburg 1922. Hauer entwickelte Atonalität zeitlebens mit harmonischen Ordnungen – Kompositionsverfahren als Spiel aus musikalischen Bausteinen: in seiner Anschauung Modellmuster, die konkret wie universell Geistiges klären.

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