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Donnerstag, 19. Juli 2018

[Atonalität]

Musikzeitschriften im Portrait: Österreichische Musikzeitschrift

Atonalität

Neue Bücher sowie Veranstaltung kritisch betrachtet

von F.Celestini, R.Stephan, P.Schweinhardt, J.Siebert, aus: Österreichische Musikzeitschrift 05/2009

Markus Böggemann: Gesichte und Geschichte. Arnold Schönbergs musikalischer Expressionismus zwischen avantgardistischer Kunstprogrammatik und Historismusproblem (Int. Schönberg-Gesellschaft, Bd. 7). Wien, Verlag Lafite 2007. 240 S. 34 E. Die Studie Markus Böggemanns (Diss. UdK Berlin) befasst sich mit einer der aufregendsten und zugleich umstrittensten Phasen der neueren Musikgeschichte, nämlich mit Arnold Schönbergs Wende zur Atonalität in den Jahren 1908-1911. Im Unterschied zu der in der Schönbergforschung traditionell vertretenen These einer kontinuierlichen und folgerichtigen „Entwicklung“ von den noch tonalen Anfängen über die atonale Phase bis zur Zwölftontechnik, hebt Böggemann die Veränderungen hervor, die Schönbergs ästhetische Konzeption und Kompositionsweise im Laufe der Jahre aufweisen. Die Kernbegriffe der Fasslichkeit, Einheit und Zusammenhang sowie die ständige Berufung auf die Tradition zur Rückversicherung des eigenen Komponierens prägen zwar Schönbergs musiktheoretische Reflexion der späteren Jahre, besitzen jedoch Böggemann zufolge für die Zeit der atonalen Kompositionen keine Gültigkeit. Die aus dieser Zeit stammenden Quellen – Briefe und einige Schriften – lassen vielmehr Schönbergs Wende zur Atonalität als Traditionsbruch erscheinen, welcher in keiner Weise der späteren, ausführlich dokumentierten Ästhetik Schönbergs entspricht. Indem Böggemann diesen Traditionsbruch als einen bewussten Vollzug des komponierenden Subjekts beschreibt, weist er auch die ebenfalls in der Schönbergforschung verbreitete These zurück, dass es sich bei der Wende zur Atonalität um die Manifestation einer überpersönlichen, geschichtsphilosophisch aufgefassten „Tendenz des Materials“ handle. Böggemanns Studie entfaltet sich als Konsequenz dieser beiden Thesen und zielt darauf, Schönbergs Traditionsbruch im Kontext der Krise des Historismus zu betrachten.

Markus Fahlbusch: Musikalischer Gedanke und Atonalität. Strukturmodelle musikalischen Denkens im II. Streichquartett op. 10 von Arnold Schönberg. Tutzing, Schneider 2006. 406 S. 72 E. Das Buch hat, wie in den Titeln angedeutet, mehrere Tendenzen: Es bietet den Versuch, Schönbergs Worte und seinen Sprachgebrauch angemessen zu verstehen, d.h. die grundlegenden Prägungen (wie z.B. „musikalischer Gedanke“) in ihrer durchaus verschiedenen Spezifikation aufzuklären und dann die gewonnenen Einsichten fruchtbar zu machen, sodass dann die ausführliche und differenzierte Analyse von Schönbergs zweitem Quartett quasi den Beweis für die Triftigkeit der Differenzierungen liefern kann; dann ferner wird die Notwendigkeit der verschiedenen Entwicklungen, die das Neue, etwa das Phänomen der Atonalität, entstehen ließ, sowohl in den ersten Kapiteln als auch speziell in der gründlichen, tiefgehenden Analyse dargelegt. […] Der Text ist dicht und lädt deshalb vielfach zu wiederholter Lektüre ein. Dass er dem Denken Adornos, auch in bestimmten Grundannahmen, verpflichtet ist, sagt der Autor selbst; gleichwohl ist nicht selten eine kritische Distanz fühlbar (und direkt ausgesprochen, z.B. im Schlussabschnitt). Dass er auch viele – für unsere Begriffe zu enge – Anschauungen mit Adorno und Schönberg teilt – z.B. über alte Musik – sei nur nebenbei bemerkt.

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