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Montag, 22. Januar 2018

[Die ganze Palette]

Musikzeitschriften im Portrait: Musik & Kirche

Die ganze Palette

Matthias Grünert, der Kantor der Dresdner Frauenkirche

von Hermann Backes, aus: Musik & Kirche 2/2009
Matthias Grünert, geboren 1973 in Nürnberg, studierte Kirchenmusik, Gesang und Orgel in Bayreuth und Lübeck. Meisterkurse bei Fernando Tagliavini, Jon Laukvik oder Michael Radulescu schlossen sich an. Grünert ist Preisträger von mehreren Orgelwettbewerben; seine Tätigkeiten als Kantor führten ihn vom Lübecker Dom über St. Petri in Bosau ins thüringische Greiz, wo er von 2000 bis 2004 das Amt des Stadt- und Kreiskantors versah.

Seit dem 1. Januar 2005 ist er der erste Kantor der wiedererrichteten Dresdner Frauenkirche, verantwortlich für alle kirchenmusikalischen Veranstaltungen. Er gründete einen großen Chor mit 120, einen Kammerchor mit 30 Sängerinnen und Sängern sowie das „ensemble frauenkirche“, bestehend vorwiegend aus Musikern der Sächsischen Staatskapelle und der Dresdner Philharmomie. Zu seinen spektakulärsten Aktivitäten außerhalb von Dresden gehörte im vergangenen Jahr eine „Orgelarena“ im sächsischen Vogtland – 40 Konzerte mit 200 Stücken, teils auf kleinen Dorforgeln.

Als Sie zum Kantor der Frauenkirche berufen wurden, tobte immer noch der Dresdner Orgelstreit. Sollte in die Frauenkirche ein Silbermann-Nachbau oder ein modernes Instrument? Installiert wurde eine französische Orgel von Daniel Kern. Hat sich der Pulverdampf inzwischen verzogen?

Matthias Grünert: Aus meiner Wahrnehmung ja. Nun sind die Kritiker leise und still geworden: Qualität und klangliches Gewand der Orgel sind in so hervorragendem Zustand. Es macht viel Freude, auf der Orgel zu spielen; sie ist sehr wandlungsfähig und lässt viel authentisches Musizieren zu. Die französische Romantik mit dem Cavaillé-Coll’schen Schwellwerk, aber ebenso die Werke Bachs auf den beiden unteren Manualen mit Hauptwerk und Oberwerk, die sehr dem Geiste Silbermanns verpflichtet sind. Es lässt sich auf diesem Instrument so vieles gut abbilden, dass auch die vielen Kritiker die Orgel so akzeptieren, wie sie dasteht. Zumal wir in der Frauenkirche im Fokus einer Öffentlichkeit stehen, für die wir die ganze Palette der Orgelmusik abbilden wollen.

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