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Sonntag, 26. Mai 2019

[Menschenkenntnis und

Musikzeitschriften im Portrait: Österreichische Musikzeitschrift

Menschenkenntnis und "natürliche Autorität"

Daniel Ender im Gespräch mit Manfred Honeck

von Daniel Ender, aus: Österreichische Musikzeitschrift 01/2009

Seite 3

Wie beurteilen Sie das Musikleben in den USA im Vergleich zu Europa, wie die Unterschiede zwischen europäischen Ländern und Häusern?

Die Organisation des Musiklebens in den USA ist völlig anders als in Europa. Während hier die Orchester meist von der öffentlichen Hand gefördert werden, ist dies in den USA kaum der Fall. Die großen Orchester ? und dazu gehört natürlich auch ?mein? Pittsburgh Symphony ? unterhalten eigene Abteilungen für Fundraising und Marketing. Diese Arbeit im Team und die gemeinsame Begeisterung für eine Sache trägt auch dazu bei, dass die Mitarbeiter sich vielleicht stärker mit der Institution identifizieren, für die sie arbeiten. Da jede Probe viel Geld kostet, gibt es bei den amerikanischen Orchestern für ein Konzert im Allgemeinen weniger Proben als in Europa. Allerdings sind die Musiker bei der ersten Probe so vorbereitet, dass man als Dirigent keine Zeit mit technischen Erläuterungen verliert und gleich auf sehr hohem Niveau mit dem Erarbeiten der Interpretation beginnen kann. Generell kann man sagen, dass ein Music Director in den USA eine wichtigere Rolle spielt und mehr Einfluss hat als ein Chefdirigent in Europa. Die Abhängigkeit der Orchester von den Einnahmen und Sponsoren bedingt manchmal eine gewisse Einschränkung bei der Programmgestaltung. Mozart und Beethoven locken nun einmal mehr Publikum ins Konzert als neue Musik. Trotzdem hat aber z.B. die Institution eines Composer in Residence bei den amerikanischen Orchestern eine lange Tradition. In Europa sind die Strukturen auch nicht in allen Staaten gleich. In Skandinavien läuft alles ein wenig ruhiger, es gibt viele Komitees, es wird viel diskutiert und Entscheidungen benötigen mehr Zeit. In Prag bei der Tschechischen Philharmonie werden viele Entscheidungen von den Mitgliedern des Orchesters mitbestimmt und es gibt noch einige Relikte aus der kommunistischen Vergangenheit. Das macht die Arbeit des Managements nicht gerade leichter. Im Westen wiederum stelle ich manchmal eine gewisse Übersättigung und Saturiertheit fest.

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