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Montag, 15. Oktober 2018

[Vorwort]

Musikzeitschriften im Portrait: Österreichische Musikzeitschrift

Vorwort

von Marion Diederichs-Lafite, aus: Österreichische Musikzeitschrift 11/2008
Liebe Leserin, lieber Leser!

Der Anstoß, sich wieder mit einem Schwerpunkt-Heft dem Frauenthema zuzuwenden, kam vom Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten; dabei ist der Unterschied von damals und heute stark spürbar. 1991 gab es ein Heft (46 / 7-8), das einem vergleichsweise in den Kinderschuhen steckendem Reflexionsstand auf die Sprünge half. (Noch in drei Heften zuvor zur ?Neuen Musik in Österreich nach 1945? gab es jeweils drei Doppelseiten Komponisten-Abbildungen: ausschließlich Männer ? ein heute nicht mehr vorstellbares Procedere.) In Folge dieser bald erkannten Schräglage wurde ? schon damals in bester Zusammenarbeit mit Elena Ostleitner, Pionierin dieses Forschungsgebiets in Österreich ? mit dem damaligen Heft eine Rückstands-Aufholung geleistet, und ? vielleicht noch wichtiger ? in der Folge die Künstlerinnen bzw. Autorinnen verstärkt in den musikpublizistischen Alltag einbezogen.

Heute hat sich gesamtgesellschaftlich sehr viel verändert, und die Partizipation von Frauen in allen Bereichen des öffentlichen Lebens und damit auch im Musikleben ist markant angestiegen. Vor allem hat sich an zahlreichen Kunstuniversitäten bzw. -Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen die Gender-Forschung etabliert. Auf nachhaltige Weise macht sie uns bewusst, um wieviel mehr Frauen auch im Musikleben ? wenn auch in der zweiten oder dritten Reihe bzw. nur in bestimmten Bereichen ? schon in früheren Epochen aktiv waren. Von dort sind sie, wie viele ihrer männlichen Kollegen, aus dem historischen Bewusstsein nach einiger Zeit wieder verschwunden. Es ist aber durchaus sinnvoll, diesen normalen (und notwendigen) Filterungs-Prozess anlassbezogen noch einmal aufzurollen: Ähnlich wie für die Exilforschung bringt das auch für die Gender-Forschung Erkenntnis. So waren etwa innerhalb des Adels immer schon Ausnahmen / Privilegien eher möglich, und so wie es bedeutende Herrscherinnen gab, fällt auch eine Reihe musikalisch kreativ tätiger Frauen jenseits von Gesang und Tasteninstrumenten auf ? von Barbara Strozzi über Wilhelmine von Bayreuth (4 S. 61) oder Marianne von Martines bis zu Grete von Zieritz. Der familiäre Bezug ist auch von zentraler Bedeutung und belegt, dass in keinem anderen Bereich der Begabungsbzw. Sozialisationsfaktor so schlagend ist wie in der Bereich der Begabungs- bzw. Sozialisationsfaktor so schlagend ist wie in der Musik: Die Komponistinnen, denen es gelingen konnte, in die vorderste Aufmerksamkeitsreihe vorzudringen, stehen denn auch sämtlich in engem familiären Verhältnis zu ihren ? wesentlich berühmteren ? Ehemännern (Clara Schumann, Alma Mahler), bzw. Brüdern und Vätern (Nannerl Mozart, Fanny Mendelssohn); auch bei jenen der zweiten Reihe ist es nicht viel anders (Francesca Caccini, Katharina Cibbini-Kozeluch; 4 S. 89 f.); für den spezifischen Blickwinkel dabei ist das Lexikon Österreichische Komponistinnen (4 Cover rückseitig) aufschlussreich.

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