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Mittwoch, 17. Juli 2019

[Thomas Pernes im Gespräch]

Musikzeitschriften im Portrait: Österreichische Musikzeitschrift

Thomas Pernes im Gespräch

"KEINE STILE MEHR!"

von Hans Dieter Klein, aus: Österreichische Musikzeitschrift 08/2008

Seite 2

H. D. K.: Im Grunde genommen ist dieses Problem der neuen Musik ein altes und grundsätzliches: Wenn ich mich an den Mozart-Briefwechsel erinnere, wo der Vater dem Sohn empfiehlt, er möge ja nicht auf das ?Populare? vergessen; da gibt es schon die Spannung zwischen ?popularer? und ?gelehrter? Musik. Und jetzt stellt sich für mich die Frage: Wie lässt sich diese Öffnung, dieses Zugehen auf das Publikum, das du ja auch anstrebst, verbinden mit dem ästhetischen Anspruch, den die neue Musik ursprünglich gehabt hat und der in der Tradition gelehrter Musik steht?

T. P.: Ich komme aus der ?sehr gelehrten? neuen Musik, ich glaube aber, dass sich in den letzten Jahrzehnten sehr viel getan hat in Richtung Zugehen auf ein Publikum. Und da möchte ich wieder aus meinen ganz persönlichen Erfahrungen erzählen. Ich habe mich immer bemüht, Türen aufzumachen und es gibt da Schwerpunkte, Stationen des Öffnens in andere Bereiche, Stationen, die man sehr genau definieren kann, z.B. 1984 die Ballettmusik Alpenglühn an der Wiener Staatsoper. Hier habe ich begonnen Avantgarde mit Volksmusik zu verknüpfen. Aufgrund von echten und tiefen Volksmusik-Erlebnissen am Land und auch aufgrund der Choreographie des Stückes war diese Verbindung naheliegend. Hier ist also eine Tür aufgegangen.

H. D. K.: Welche kompositionstechnischen Möglichkeiten siehst du hier?

T. P.: Ich habe die Volksmusik so genommen wie sie ist, um ihre Kraft zu erhalten, wobei zu ergänzen ist, dass das Zitieren von Musik im Falle meiner Volksmusikbeschäftigung eine Ausnahme ist. Bei jedem anderen Arbeiten mit den Diktionen unserer Zeit handelt es sich in meinen Werken um zutiefst Selbst-Komponiertes, um einen schöpferischen Akt, der dem Pluralismus der Jetztzeit Rechnung tragen will. Wenn ich nun also die Kraft der verwendeten Diktionen erhalten will, dann muss ich deren Elemente vom grundsätzlichen Duktus her so nehmen, wie sie sind. Ich kann sie zurecht schleifen, sie anpassen, wie ein guter Handwerker; dies geschieht vor allem struktural-dynamisch. Und da kommt man zu einem ganz wesentlichen Phänomen: Es muss alles emotional begründbar sein. Hier mache ich der Neuen Musik den Vorwurf, dass das Hereinnehmen unserer Zeit nur akzeptiert wird, wenn das betreffende Material solange bearbeitet wird, bis die ganze Kraft draußen ist.

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