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Donnerstag, 19. April 2018

[Thomas Pernes im Gespräch]

Musikzeitschriften im Portrait: Österreichische Musikzeitschrift

Thomas Pernes im Gespräch

"KEINE STILE MEHR!"

von Hans Dieter Klein, aus: Österreichische Musikzeitschrift 08/2008

Hans Dieter Klein: Ich erinnere mich, wie wir uns kennen gelernt haben. Das war 1981 nach einem Seminar in Alpbach, wo ich einen sehr intensiven Gesprächskontakt mit Wolfgang Rihm hatte. Dort habe ich Lothar Knessl um Rat gefragt, dass ich einen jüngeren in Wien lebenden Komponisten kennenlernen möchte, um Gelegenheit zu haben, mich mit den Intentionen eines Komponisten der jüngsten Generation auseinander zu setzen. Da hat er deinen Namen genannt und ich habe bei dir angerufen. Wir haben dann eine ganze Nacht um die Probleme des Komponierens heute durchdiskutiert. Es hat schon damals eine Frage gegeben, die dich beschäftigt hat, und zwar: wie steht’s mit dem Zusammenhang Gesellschaft und Neue Musik; wie wird die neue Musik in der Gesellschaft akzeptiert; wie siehst du das heute?

Thomas Pernes: Ich halte es für wichtig, dass jede Kunst, die in der Gegenwart entsteht, eine Verbindung zur Gesellschaft hat. Man möchte die Leute ansprechen, man möchte gehört werden. Betrachtet man aber den Interessensanteil der neuen Musik im Gesamtbild des Kunstmusik-Interesses, welches wiederum im allgemeinen Musikinteresse einen kleinen Anteil ausmacht, so haben wir es hier mit einer marginalen Größenordnung zu tun. Es gibt Festivals, die sich sehr verdient machen, wenigstens für kurze Zeit ein größeres Publikum anzusprechen; allerdings wird dieser Anteil dann nicht gehalten. Ich möchte da aus meiner jüngsten Erfahrung erzählen, die ich in den letzten Jahren mit Uraufführungen im Zusammenhang mit Publikum gemacht habe – und da ist etwas sehr Schönes passiert: Die Leute im Saal haben unglaublich positiv reagiert. Das war bei Eine Winterreise 2002 im Brucknerhaus so, bei Helios zu Wien Modern 2006 und jetzt im Wiener Musikverein bei meinem Musiktheater Aus der Fremde (ÖMZ 6/08, S. 56). Hier hatte man das Gefühl, dass das, was transportiert wurde, verstanden und aufgenommen wurde. Vielleicht drückt meine Musik jetzt die Dinge auf eine Art aus, welche direkter zu rezipieren ist.

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