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Sonntag, 15. Juli 2018

[ERNST KRENEK:

Musikzeitschriften im Portrait: Österreichische Musikzeitschrift

ERNST KRENEK: "Kehraus um St. Stephan"

Bregenzer Festspiele

von Christian Heindl, aus: Österreichische Musikzeitschrift
„Zu Anfang des Frühjahrs [1930] ging ich ein neues Opernprojekt an, das ich sehr schnell fertig stellte. Es markiert einen deutlichen Wendepunkt in meiner künstlerischen Entwicklung“, schreibt Ernst Krenek im 1953 abgeschlossenen fünften Kapitel seiner autobiographischen Erinnerungen Im Atem der Zeit. – Es bedurfte freilich eines langen Lebensatems, um noch die Uraufführung dieses Werkes zu erleben: Erst 1990 erblickte Kehraus um St.Stephan das Licht der Bühnenwelt – immerhin im Wiener Ronacher, wo es besonders authentisch zur Geltung kommen konnte. Die Aufnahme der „Novität“ mochte späte Genugtuung sein: Das Publikum bereitete dem 90-jährigen Meister Ovationen und die Presse fand zu einem, für dieses bis dahin für ein „Nebenprodukt“ gehaltene Opus, durchwegs positiven Tenor. Weitere 18 Jahre sollten nun vergehen, ehe die Bregenzer Festspiele mit ihrem diesjährigen Krenek-Schwerpunkt zu einer neuerlichen Auseinandersetzung einladen. Im Vergleich zur ersten Inszenierung, wird es dabei besonders interessant sein, wie ein internationales Festivalpublikum diesem so wienerischen Stück begegnet und welche Wirkung das ostösterreichische Lokalkolorit des Stoffes auch am westlichen Ende der Republik auszulösen vermag. In jedem Fall scheint die Verbindung von Sujet und Entstehungsrahmen faszinierend: der Spiegel der Jahre 1918-28 einer Stadt, die als ehemalige Metropole eines nunmehr untergegangenen Reichs ihre Bewohner mehr nach Überlebensstrategien suchen lässt, denn das Aufstreben zu neuer Blüte in den Vordergrund stellt. Bemerkenswert, dass das Geschehen bis in die unmittelbarste Gegenwart des Komponisten reicht. Nur sehr wenige andere Opern der Musikgeschichte mögen so direkt und unverklausuliert als Reflexion eines aktuellen Zustands fungieren; wenige auch so authentisch reale Umgebungsbilder vor Augen führen: Der Wiener Komponist führt als sein eigener Librettist ins Wien seiner Zeit. Von Hütteldorf, Ober-St.Veit, Kobenzl und Nussberg über Linzer Straße, Kärntner Straße und Reisnerstraße bis zu Donaubrücken, Wurstelprater und Riesenrad ersteht ein Szenario, das sich in seiner äußeren Erscheinungsform auch in den vergangenen beinahe achtzig Jahren teils gar nicht so sehr verändert haben mag. Hier lässt Krenek seine Charaktere einen wahren „österreichischen Totentanz“ (Pia Janke im Programmheft 1990) vollziehen.

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