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Sonntag, 16. Juni 2019

[?Es war wie ein Ringen nach Luft zur Glückseligkeit?]

Musikzeitschriften im Portrait: Vivavoce

?Es war wie ein Ringen nach Luft zur Glückseligkeit?

Mel Bonis (1858-1937) zum 70. Todestag

von Dr. Astrid Mader, aus: VivaVoce Nr. 79 - Jubilarinnen

Seite 2

Über eines der Stücke aus diesem Werkkreis schrieb der französische Komponist Gabriel Pierné ? wie Bonis ein Schüler Francks ?, der im Jahr 1882 den Prix de Rome gewann: ?Ich habe die wunderbare Bekanntschaft Ihrer `Mélisande´ gemacht, deren melancholische Grazie und schöne pianistische Schreibweise ich zu schätzen weiß. Ich beglückwünsche Sie von ganzem Herzen und in voller Aufrichtigkeit werde ich alle diejenigen auf dieses Werk aufmerksam machen, die ich für Wert halte, es zu interpretieren.?

In dem Legendenzyklus werden so unterschiedliche Frauenschicksale wie die der Phoebe, Salomé, Mélisande, Desdemona und Ophelia porträtiert. Ähnlich ihrer angelsächsischen Zeitgenossin Ethel Smyth muss Bonis um ihre schwierige Lage als ?femme compositeur? gewusst haben; sie mag gefühlt haben, wie schwierig es war, ihre Begabung zu fördern, sich und ihren Werken öffentliche Anerkennung zu verschaffen, liebevolle Mutter und empfindsame Ehefrau für einen Mann zu sein, den sie nicht liebte.

Ob sich die Komponistin aber in ihrem Legendenzyklus Frauengestalten der Antike, der Romantik, oder den Dramenfiguren Shakespeares annimmt, immer wird dabei ihr außerordentliches melodisches Gespür deutlich und ihre Gabe, eine musikalische Idee durchzuführen. Zugleich brilliert sie mit der Fähigkeit, harmonische Neuerungen des Impressionismus wie die Einführung von Ganztonreihen, Kirchentonarten, übermäßigen Quinten und Quartparallelen in ein festes Formgefüge zu gießen. Mit ihrem Sinn für musikalische Strukturen steht sie ihren Lehrern Franck und Guiraud weit näher als ihr Kommilitone Debussy.

1899, das Jahr der Geburt ihres unehelichen Kindes, das lange versteckt lebte, markiert einen Wendepunkt in ihrer kompositorischen Kreativität: Ihre tiefen moralischen Qualen fanden ein Ventil in der Komposition zahlreicher Stücke, die heute als die Meisterwerke ihres Schaffens betrachtet werden. Ihre Stellung als wohlhabende Pariser Bourgeoise erlaubte es ihr, sich professionell dem Komponieren zu widmen. Es entstand ein umfangreiches Werk im Bereich der Kammer-, Chor- und Orchestermusik. Bonis? zahlreiche Klavierwerke ? neben vielen Orchester- und kammermusikalischen Werken ? erscheinen seit 2003 auf die Initiative des kürzlich verstorbenen Mel Bonis-Forschers Eberhard Meyer beim Furore Verlag Kassel in einer siebenbändigen Gesamtausgabe.

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