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Freitag, 20. April 2018

[„Es war wie ein Ringen nach Luft zur Glückseligkeit“]

Musikzeitschriften im Portrait: Vivavoce

„Es war wie ein Ringen nach Luft zur Glückseligkeit“

Mel Bonis (1858-1937) zum 70. Todestag

von Dr. Astrid Mader, aus: VivaVoce Nr. 79 - Jubilarinnen
Durfte eine Frau des Fin de siècle einen Glücksanspruch erheben? Und wenn sie es tat: Wie gelang es ihr, ihn nach außen hin zu vertreten? In der Musik fand Mélanie Hélène Bonis das geeignete Medium, ihrem Verlangen nach einem befreiten, unbeschwerten Leben Ausdruck zu verleihen. So schreibt die Komponistin in ihren „Souvenirs et réflexions“: „Die Musik, diese göttliche Sprache, drückt alle Schönheit, alle Wahrheit, alle Sehnsucht aus. Das Ziel unserer Wünsche nimmt Gestalt an.“

1858 in Paris geboren, wuchs Mélanie Bonis in einer Atmosphäre christlicher Frömmigkeit auf. Ein Klavier bildete die Hauptattraktion des kindlichen Vergnügens. Bis zu ihrem zwölften Lebensjahr spielte das Mädchen, was es an Melodien in der Kirche und auf der Straße aufnahm. Schließlich erhielt sie Klavierunterricht und bekam die elterliche Erlaubnis, am Conservatoire Supérieur zu studieren. Unter der Ägide von Ernest Guiraud und César Franck erwarb die junge Frau 1879 einen zweiten Preis in Klavierbegleitung, dem 1880 ein erster Preis in Harmonielehre folgte. Guiraud wollte seine Schülerin für die Teilnahme am Prix de Rome vorschlagen. Als Mélanies Eltern jedoch die Neigung ihrer Tochter zu dem begabten jungen Gesangsschüler Amédée Landely Hettich entdeckten, zwangen sie diese, die Musikschule zu verlassen. Durch Bonis’ vorzeitiges Ausscheiden aus dem Konservatorium wurde ihre Teilnahme an dem berühmten Wettbewerb vereitelt.

Im Jahr 1883 arrangierten die Eltern der jungen Dame dann, was sie für eine opportune Partie hielten: die Heirat mit dem 22 Jahre älteren Geschäftsmann Albert Domange, Witwer und Vater von fünf Söhnen. In der Folgezeit gebar Mélanie drei Kinder und beschränkte ihre musikalische Produktion auf die Komposition einiger Lieder und Klavierstücke.

Um 1890 traf sie jedoch ihre Jugendliebe Amédée L. Hettich wieder, der als anerkannter Musikkritiker und Gesangslehrer arbeitete und ihr ermöglichte, sich wieder mit der Welt der Musik zu beschäftigen. Bereits nach einem Jahr erhielt sie den ersten Preis für ihr Salonstück „Les Gitanos“, 1892 publizierte Leduc ihr „Noël pastorale“ unter dem Namen Mel Bonis, der ihr Geschlecht nicht verrät. Es folgte eine Vielzahl von Klavierwerken, darunter der bedeutende Zyklus „Femmes de Légende“.

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