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Freitag, 20. April 2018

[„Lost Childhood“]

Musikzeitschriften im Portrait: Vivavoce

„Lost Childhood“

Oper als Post-Shoah Kommunikation zwischen Deutschen und Juden

von Dr. Gottfried Wagner, aus: VivaVoce Nr. 78

(ungefähr 4 Seiten)

Am 25. Juli 2007 stellten die amerikanische Komponistin Janice Hamer und Gottfried Wagner, historischer und musiktheatralischer Mitarbeiter, im Music Center von Tel Aviv-Yafo die neue Oper Lost Childhood als „eine Oper der zweiten Generation und als eine musikalische Brücke für Deutsche und Juden von heute“ vor. Am 29. Juli wurde sie dann als Workshop aufgeführt. Die Werkstatt-Aufführung war Teil des diesjährigen Sadnat ha Opera Sommerfestivals, durchgeführt von Joan Dornemann, leitender Stimmbildner an der Metropolitan Oper New York. Dargeboten wurde das Werk von jungen, ausgebildeten Sängern als konzertante Aufführung mit Klavierbegleitung, ohne Orchester und ohne Chor, weswegen für diese einmalige Präsentation ein paar Szenen gestrichen werden mussten und nur mit minimalen Bühneneffekten (Kostüme, Licht) gearbeitet wurde. Alles in Kleinstformat. Das Neue, das geschaffen wurde, um eines Tages mit einem erstklassigen Orchester auf einer großen Bühne aufgeführt zu werden, muss sich den Weg in die Spielpläne der Opernhäuser, auf die Bühne der Musiktheaterstätten und in die internationale Öffentlichkeit gewiss erst noch hart erkämpfen - gegen den Geist der Zeit, gegen Political „Correctness“, gegen staatlich sanktionierte und subventionierte Hochkultur im Stile der Richard Wagner Festspiele, die offenbar immer noch zu den tragenden Säulen deutscher kultureller Identität gehören. Gottfried Wagner berichtet von seinen Erfahrungen bei der Entwicklung der Oper von 1998 bis zur Aufführung in Tel Aviv im Juli 2007:

Ungewöhnlich an der Oper ist bereits die Vorgeschichte. Am 17. November 1992 schrieb mir Janice Hamer: „Am Wochenende schaltete ich zufällig mein Radio auf meiner Fahrt im Auto zum Curtis Institut in Philadelphia ein und war begeistert, Sie über Wagner und Antisemitismus sprechen zu hören. [...] Ich bin Komponistin und Chorleiterin, Jüdin, und wurde im selben Jahr wie Sie, 1947, geboren. Ich habe starke und widersprüchliche Gefühle bei diesem umstrittenen Thema und ich fand Ihre Offenheit und faire Haltung bewegend, wenn man die übliche Polarisierung dieses Falls bedenkt. Ihnen zuzuhören, gab mir neue Hoffnung und Verständnis.“

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