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Freitag, 20. April 2018

[Herzriss - zweifach nachgefragt -]

Musikzeitschriften im Portrait: Vivavoce

Herzriss - zweifach nachgefragt -

Eine imaginäre Reise in eine Welt, die ich noch nicht kenne

von Rebecca Berg, aus: VivaVoce Nr. 80

(ungefähr 4 Seiten)

Interview mit der Komponistin Violeta Dinescu

Frau Dinescu, das diesjährige Motto der Kasseler Musiktage lautet Lebenswelten – Kunstwelten. Können Sie sich als Komponistin mit diesem Motto identifizieren?

Ich glaube, wir alle, die etwas schreiben, können uns damit identifizieren. Das ist ein sehr sinnvoller Titel, der vieles, aber auch gleichzeitig sehr unterschiedliches zusammenbringt.

In diesem Zusammenhang wird traditionelle Musik mit moderner vermischt und eine multikulturelle Welt vorgestellt. Auch Sie verwenden häufig traditionelle Elemente aus der rumänischen Musik. Inwieweit sehen Sie sich als Mittlerin zwischen Tradition und Aktualität?

Ich könnte sagen, einerseits stehe ich zwischen Ost und West. Doch obwohl Europa eigentlich ziemlich klein ist und wir manchmal denken, Rumänien ist ja nicht so weit weg – trotzdem sind es doch zwei ganz unterschiedliche Gesichter einer musikalischen Welt. Wir gehören zu total unterschiedlichen Denkweisen. Und einen Weg zwischen diesen Denkweisen zu finden, ist im Grunde genommen eine Lebensaufgabe. Andererseits komme ich auch aus einer Ausbildung, einer Tradition, die mit abendländischer Musik zu tun hat. Nach diesem Klangabenteuer des 20. Jahrhunderts können wir ohne nachzudenken sagen, dass es das Sinnvollste ist, doch die Tradition wahrzunehmen und zu assimilieren. Danach öffnen sich natürlich die Wege. Wenn man um jeden Preis etwas verneinen muss – das gibt es auch im Leben –, dann erreicht man oft das Gegenteil. Und wie diese Assimilationsprozesse stattgefunden haben, das ist eigentlich eine interessante Beobachtungsmöglichkeit. Denn dort, wo Komponisten sich sogar vorgenommen haben, einen Bruch mit der Tradition zu machen, haben sie sich wahrscheinlich noch der Tradition angenähert. Es ist nur eine Sache der Betrachtung und der Wahrnehmung, diese starke Verbindung zu signalisieren.

Wo Sie gerade von Wahrnehmung sprechen...Wie soll das Publikum Ihre traditionell inspirierte Musik wahrnehmen?

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