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Dienstag, 26. März 2019

[In Memoriam Fanny Hensel (1805-1847)]

Musikzeitschriften im Portrait: Vivavoce

In Memoriam Fanny Hensel (1805-1847)

von Prof. Dr. Peter Schleuning, aus: VivaVoce Nr. 79 - Jubilarinnen

Seite 2

Entsprechend der ihr auferlegten Einschränkungen blieb auch der Rahmen ihrer musikalischen Produktion eingeschränkt, hauptsächlich auf Lieder und Klavierstücke, denen sie als glänzende Pianistin außergewöhnliche Erfindung und Ausführung verlieh. Sowohl spätere Werke dieser Gattungen wie auch einiges an Kammermusik, so das Klaviertrio d-Moll, zählen zum Bedeutendsten und Außergewöhnlichsten der Epoche, gehen oft über die Einfälle des Bruders hinaus und scheinen auf Brahms gewirkt zu haben.

Es ist naheliegend und berechtigt, solche Einschränkungen ebenso zu bedauern, wie es Fanny Hensel selbst während der 1830er und 1840er Jahre so oft tat. Auch litt sie zeitweise unter extremer musikalischer Vereinsamung, aus der sie weder die ?Sonntagsmusiken? noch der Bruder erlösen konnten, zumal dieser die väterlichen Mahnungen übernahm und der Schwester mancherlei Zurücksetzungen hinsichtlich ihrer kompositorischen Fähigkeiten nicht ersparte. Aus dieser Sicht könnte man Fanny Hensel geradezu als tragische Figur begreifen. Und dies ist oft genug geschehen.

Jedoch überwand sie ihre oft geäußerten Absichten zum Aufgeben und musikalischen Schweigen immer wieder durch Beistand und Ermutigung von einigen Freunden, vor allem aber ihres Ehemannes, einer Ausnahmeerscheinung. Denn er sah eine Künstlerehe nur dann als erfüllt an, wenn auch die Frau ihre Produktivität erhielt. Stets trieb er sie auch in ihren schwärzesten Stunden zum Weiterspielen und Weiterkomponieren an. Auch der gemeinsame Sohn Sebastian, 1830 geboren und später Chronist der Familie, half als reizendes und fantasievolles Kind über manche Untiefe hinweg. Zudem führte die Mutter auch in Zeiten musikalischer Entbehrungen ein finanziell und gesellschaftlich schwunghaftes Leben, welches auch eine einjährige Italienreise einschloss, wohl der Höhepunkt ihres Lebens. Denn nicht nur Natur und Kultur des Südens ließen sie zeitweise die Berliner Misere vergessen, sondern auch die ungeteilte Bewunderung, die ihrer Kunst in Rom und Neapel zuteil wurde.

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