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Freitag, 20. April 2018

[In Memoriam Fanny Hensel (1805-1847)]

Musikzeitschriften im Portrait: Vivavoce

In Memoriam Fanny Hensel (1805-1847)

von Prof. Dr. Peter Schleuning, aus: VivaVoce Nr. 79 - Jubilarinnen
1805 in Hamburg als Enkelin des jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn geboren, erhielt Fanny Mendelssohn in Berlin bei ihrer nach den Hardenbergschen Reformen erfolgten christlichen Taufe (1816) den zweiten Vornamen Caecilia und 1823 den zweiten Nachnamen Bartholdy. Die Hoffnung des Vaters jedoch, mit der Zeit werde der erste, der jüdische Nachname außer Gebrauch geraten, erfüllte sich nicht. Die vier Kinder, darunter der um vier Jahre jüngere Felix, blieben bei dem Doppelnamen – ohne Bindestrich. Seit der Eheschließung mit dem preußischen Hofmaler Wilhelm Hensel 1829 nannte sich die Schwester unverändert Fanny Hensel, stets ohne Verwendung ihrer alten Nachnamen.

Von frühauf verband sie mit ihrem Bruder eine gründliche allgemeine und musikalische Ausbildung, im Fach Komposition durch Carl Friedrich Zelter, Leiter der Berliner Singakademie und Familienfreund, der – wie auch schon die Eltern – den Grund für die lebenslange Kenntnis und Verehrung der Musik Johann Sebastian Bachs legte.

Schon als Mädchen durch den Vater auf die Bestimmung zur Ehefrau und Mutter hingewiesen und allen Vorstellungen von professioneller Musikerschaft entfremdet, nistete sie sich in dem palastartigen Berliner Wohnhaus der Familie ein, lebte dort unter den finanziellen Wohltaten der Eltern und konnte im geistreichen und munteren Kontakt zu einem zahlreichen Freundeskreis als einzige halbprofessionelle Tätigkeit ab 1821 die später für das Berliner Musikleben so bedeutsamen „Sonntagsmusiken“ organisieren und – auch auftretend – gestalten, ein regelmäßiges Privatkonzert, zunächst unterstützt von ihrem Bruder, der aber mit der Zeit durch Reisen und ortsfremde Anstellungen aus dem Berliner Gesichtskreis entschwand, sehr zum Jammer seiner Schwester, wie er in dem reichhaltigen, über Jahrzehnte fortgeführten Briefwechsel immer wieder zum Ausdruck kommt – insgesamt ein Fundus von ungemeinem musikhistorischen Interesse und erfüllt von Geistesblitzen und Humor. Höhe- und Endpunkt der geschwisterlichen Zusammenarbeit sind Vorbereitung und Durchführung der Wiederaufführung von Bachs „Matthäuspassion“ 1829.

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