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Montag, 16. Juli 2018

[Erfolgreicher Spontaneinsatz]

Musikzeitschriften im Portrait: Vivavoce

Erfolgreicher Spontaneinsatz

Anu Tali und das hr-Sinfonieorchester Frankfurt

von Rebecca Berg , aus: VivaVoce Nr. 80
Nein, diese dirigierende Dame lediglich auf die Attribute blond, temperamentvoll und außergewöhnlich zu beschränken, wäre schlichtweg ein Fauxpas. Charmant zwar, jedoch mit einer gehörigen Portion Energie gewappnet, betrat sie am 4. Oktober 2007 in der Alten Oper Frankfurt die Bühne, um an diesem Abend wie am Folgetag die Leitung des hr-Sinfonieorchesters für den kurzfristig erkrankten Dirigenten Kirill Petrenko zu übernehmen. Die Woche zuvor hatte Anu Tali bereits erfolgreich ihr Debüt-Konzert beim hr-Sinfonieorchester gegeben, doch dieser spontane Einsatz machte das estnische Energiebündel zum Star des Abends. „Neue Bahnen“ – unter dem Stichwort läuft auch die hr-Sinfoniekonzertreihe in dieser Spielzeit – betrat sie damit definitiv und stellte sich mutig der Herausforderung. Nicht gerade einfach waren die Werke: Beethovens Violinkonzert, präsentiert durch den Solisten Dänen Nikolaj Znaider, und in Abänderung des ursprünglichen Programms Tschaikowskys berühmte und letzte 6. Sinfonie, die „Pathétique“.

Anu Tali verkörpert die Dirigentin der modernen Musikszene. Nicht nur in ihrem Heimatland Estland, wo auch Avo Pärt regiert, sondern auch auf internationalem Parkett bewegt sich Tali mit enormem Erfolg. Die 33-Jährige studierte beim finnischen Dirigier-Guru Jorna Panula an der Sibelius Akademie und bei Ilya Musin in St. Petersburg. In einem Interview mit der britischen Zeitung „Telegraph“ plauderte sie offen über ihren Stil, der Elemente beider Länder vereine: „The finnish approach teaches you independent thinking and is great for score reading; the Russian is strongest for manual technique. But even if something works in the classroom, you have to learn how to express your personality in the concert hall”.

Und gelernt hat sie offenbar fleißig. Obwohl der Einsatz zu Beginn des Violinkonzerts etwas zögerlich erscheint – man spürt beim Pochen der Pauke förmlich seinen eigenen Pulsschlag – hat Anu Tali sowohl das Orchester als auch den anfänglich etwas intonationsunsicheren und vorwärts drängenden Solisten bald im Griff. Die außerordentliche Kantabilität des ersten Satzes kommt sehr schön zum Ausdruck, ihre Gesten wirken weich und fließend, trotzdem sind die Einsätze sicher, die Tutti-Stellen des Orchesters exakt zusammen. In der Ruhe liegt die Kraft.

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