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Freitag, 22. November 2019

[Erich Wolfgang Korngold und der ?Musikkrieg? des 20. Jahrhunderts]

Musikzeitschriften im Portrait: Österreichische Musikzeitschrift

Erich Wolfgang Korngold und der ?Musikkrieg? des 20. Jahrhunderts

Im Pulverdampf

von Arne Stollberg, aus: Österreichische Musikzeitpecial 07/2007

(ungefähr 4 Seiten)

Im Winter 1931/32, als die erste österreichische Republik unter den Folgen der Weltwirtschaftskrise zu leiden hatte, wurden zum allgemeinen Erstaunen der Öffentlichkeit in Wien gleich zwei neue Musikzeitschriften lanciert: Zunächst brachte der Österreichische Musiker-Verband im November 1931 das von Carl Maria Haslbruner als Schriftleiter betreute Musikleben auf den Markt, nur zwei Monate später, Januar 1932, ließen Willi Reich, Ernst Krenek und Rudolf Ploderer, unterstützt durch Alban Berg, 23 ? Eine Wiener Musikzeitschrift folgen. Beide Periodika erwiesen sich zwar als gleichermaßen kurzlebig (das Musikleben stellte sein Erscheinen bereits im September 1933 ein, 23 ? Eine Wiener Musikzeitschrift genau vier Jahre später im September 1937), waren aber davon abgesehen an den entgegengesetzten Polen des musikästhetischen Spektrums jener Zeit angesiedelt. Während 23 kämpferisch für die Neue Musik, in erster Linie für Komponisten des Kreises um Arnold Schönberg, Alban Berg und Anton Webern eintrat, nahm das Musikleben ? anfangs gemäßigt, später umso deutlicher ? eine Position ein, die nicht anders als konservativ, aus avantgardistischer Perspektive gar reaktionär genannt werden kann. Ein Beispiel unter vielen bildet der 1932 in vier Teilen erschienene Artikel Rund um die neue Musik von Fritz Törmer, der den ?Neutönern, Pointillisten, Expressionisten, Atonalen, Futuristen? schlichtweg ?psychische Dekadenz? unterstellte, um mit folgendem Resümee zu schließen: ?Die Exaltation, der verdorbene Geschmack einzelner, vielleicht sehr guter Musiker, die aber mit einer, allem Idealen fremden, kranken Psyche nur Häßliches durch Töne zum Ausdruck bringen wollen, darf nicht zur Massenpsychose werden! [...] Es ließe sich übrigens beweisen, daß die sogenannte hypermoderne Musik mit ihrer gesucht krassen Disharmonie zumeist kein Produkt des gefühlsmäßigen Schaffens, geschweige denn ein Produkt des absoluten Hörens, sondern meist pervertiertem Geschmacke entsprechende Berechnung ist. [...] Es soll wohl mit Hilfe der neuen musikalischen Ausdrucksmittel komponiert werden, aber nur diejenigen sollen komponieren, die wirklich Talent dazu besitzen, etwas tief empfundenes Großes oder Neues zu offenbaren haben und noch genug Ideal- und geistiges Schönheitsempfinden besitzen, um die ohnehin kranke Menschheit von heute durch Musik erfreuen und ihr Trost spenden zu können.? Ernst Krenek konterte in dem für die 23 typischen, an Karl Kraus? Fackel angelehnten Stil mit der Bemerkung, dass sich zwar das Musikleben ?über den Horizont der Zeitschrift eines Kaninchenzüchtervereins kaum erhebt?, selbst dort aber ?niemand wagen könnte, mit den primitivsten Grundbegriffen des Metiers so umzugehen wie unser Törmer?.

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