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Montag, 10. Dezember 2018

[Kultstatus]

Musikzeitschriften im Portrait: Musik & Kirche

Kultstatus

Wolfgang Schult in Dillenburg

Seite 2

Lauter Spezialisten für alte Musik also.
Historische Aufführungspraxis war praktisch von Anfang an ein Schwerpunkt. Nach 1978 haben wir kein einziges Konzert mit alter Musik auf modernen Instrumenten mehr gemacht. Dynamik, Phrasierung, Artikulation: Ich sehe gar keine andere Chance mehr, diese Musik angemessen und lebendig aufzuführen.

Wie wurde das in der Stadt aufgenommen?
Mit großem Interesse. Bis wir angefangen haben, die Jahrbücher zu den Bachwochen herauszugeben, gab es jedes Jahr auch einen Vortrag mit einem Musiker oder Musikwissenschaftler, die sich intensiv mit Quellen beschäftigt hatten. Die waren stets gut besucht.

Schlägt sich das Interesse für Alte Musik auch in Ihrer eigenen Ensemble- arbeit nieder?
Meine Ensembles sind ganz unterschiedlich: Mit dem Spezialensemble ?Arcani musicali? musizieren wir die Musik aus Renaissance und Barock ? das ?neueste? Werk, das wir jemals aufgeführt haben, war das doppelchörige ?Credo? mit Basso-Continuo-Begleitung von Cherubini, eines der unglaublichsten und schönsten Stücke, die ich kenne. Mit der Jugendkantorei haben wir so gut wie alle großen Oratorien und Messen schon aufgeführt. Der Universitätschor Marburg schließlich hat sich auf das Ausgraben unbekannter Werke des 19. Jahrhunderts spezialisiert und hat außerdem viel klassische Moderne auf dem Programm.

Und damit sind die Studenten zu begeistern?
Wir haben innerhalb der reichen Marburger Chorlandschaft Kultstatus. Trotz hoher Fluktuation gibt es schon seit vielen Jahren keine Nachwuchsprobleme mehr.

Und das Publikum?
Auch da haben wir uns mittlerweile herumgesprochen. Die Uni-Kirche ist auch ? oder vielleicht gerade dann ? voll, wenn unbekannte Namen wie Georg Schumann, Wilhelm Berger oder Samuel Webbe auf dem Programm stehen.

Woher haben Sie diese Stücke?
Ich sammle Noten, und das Ausgraben von vergessenen Stücken ist für mich Freizeit wie für andere Urlaubsreisen, Kino oder Romane. Es gibt so viel Musik, die vergessen ist oder die zu Unrecht nie bekannt wurde. Dabei nutze ich die üblichen Quellen: Kataloge, Bibliotheken, Archive, Antiquariate. Für ein großes Antiquariat habe ich jahrelang nebenberuflich bibliographiert, bis ich 2002 mit fast voller Stundenzahl Lehrer wurde.

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