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Freitag, 24. Mai 2019

[Woran Mozart wirklich starb]

Musikzeitschriften im Portrait: Österreichische Musikzeitschrift

Woran Mozart wirklich starb

Neue Spekulationen zu einem alten Thema

von Frieder Reininghaus, aus: Österreichische Musikzeitpecial 12/2005

(ungefähr 3 Seiten)

Das ?Wunder Mozart? war von Anfang an eines der Rührung: eines des guten Tons, der bei Hofe herausgebildeten und dann öffentlich werdenden Meinung; zunehmend freilich auch zu einer Angelegenheit der bürgerlichen Öffentlichkeit. Im 19. Jahrhundert avancierte es zum literarischen Mirakel und im 20. zum medialen. Zwischenzeitlich jedoch, als es 1791 mit dem Leben des Hofkompositors so merkwürdig jäh zu Ende ging, wollte niemand in Wien mit dem Genie, dem Schöpfer der ?Oper aller Opern? etc. noch irgend etwas zu schaffen haben.

Die Witwe zog sich unter Hinweis auf eine Unpässlichkeit aus dem Verkehr und überließ die Formalitäten einem entfernten Bekannten ? dem Baron Gottfried van Swieten. Vermutlich ohne die eigentlich in einem solchen Fall gebotene Leichenschau und jedenfalls ohne angemessene Totenfeierlichkeiten wurde die Leiche weggeschafft. Niemand, nicht einmal die nächsten Verwandten und Freunde, kümmerten sich um den Ort des Verbleibs. Die Grabstelle war von Anfang an unbekannt und ist es bis heute.

Weil es bei diesem irdischen Ende gar so außerplanmäßig und wunderlich zuging, hefteten sich bald abenteuerliche Legenden an das Ableben W. A. Mozarts. Vornan der Verdacht, er sei vergiftet worden ? womöglich vom eifersüchtigen Kollegen Antonio Salieri. Oder vom Hofkanzlisten Franz Hofdemel, einem Logenbruder und Gläubiger Mozarts. Dessen Ehefrau Magdalena war eine der letzten Schülerinnen Mozarts (für junge Frauen, um deren Gesangsausbildung er sich kümmerte, zeigte er seit den Tagen seiner emphatischen Zuneigung zu Aloysia Weber ein über pädagogischen Eros hinausgehendes Interesse). Wenige Tage nach Mozarts Tod malträtierte der ?plötzlich rasend gewordene? Hofdemel seine Wohnung und verletzte seine im fünften Monat schwangere Frau mit einem Rasiermesser schwer ? schnitt sich nach der vermutlich aus Eifersucht begangenen Tat die Kehle durch und verblutete. Die Witwe Hofdemel zog nach viermonatiger stationärer Behandlung mit Unterstützung der Kaiserin [!] aus Wien weg; sie schwieg sich fortdauernd darüber aus, ?was zu diesem gräßlichen Auftritte Anlaß gab? (Gräzer Zeitung v. 6.1.1792) und trat den Gerüchten um die außereheliche Zeugung ihres Sohnes Johann zu keinem Zeitpunkt entgegen. Erst Jahrzehnte nach Mozarts Tod, als nicht nur die Spuren verwischt, sondern auch alle gegebenenfalls zu befragenden Zeugen den Gang alles irdischen dahingegangen waren, setzten die medizinischen oder gleichsam kriminalistischen Erörterungen zu den Umständen und der Ursache von Mozarts Tod ein.

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