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Mittwoch, 14. November 2018

[«O Menschenherz, was ist dein Glück?»]

Musikzeitschriften im Portrait: Neue Zeitschrift für Musik

«O Menschenherz, was ist dein Glück?»

Der Wiener Komponist Johann Ludwig Trepulka (1903?1945)

von Herbert Henck, aus: Neue Zeitschrift für Musik 5/2005
Als ich im Rahmen der Recherchen zu meinem Buch Fürsprache für Hauer einen Essay von Hermann Heiß las, der im April 1925 in der kurzlebigen Darmstädter Zeitschrift Die Scheibe abgedruckt war, fand ich in einer Anmerkung den Hinweis auf einen mir unbekannten Komponisten, der mich aufmerken ließ: «Hier sei J. L. Trepulka erwähnt, ein im Lyrischen fußender Schüler Hauers, der, in den Gleisen seines Meisters fahrend, durchaus Persönliches in seinen Klavierstücken (Schlesinger-Haslinger) zu geben weiß.»

Ich war interessiert, die genannten Klavierstücke kennen zu lernen, und stellte nach einigem Suchen fest, dass der Originalverlag inzwischen zu dem in Frankfurt am Main ansässigen Musikverlag Zimmermann (Robert Lienau) gehörte. Aus Frankfurt erhielt ich alsbald eine autorisierte Fotokopie des 1924 erschienenen Drucks. Meine Fragen nach Einzelheiten über Trepulka konnte man indes nicht beantworten, denn Korrespondenzen oder andere Dokumente gab es keine mehr. Ohne Erfolg bemühte ich die unterschiedlichsten Nachschlagewerke, die der Forschung zur Verfügung stehen, konnte aber nicht einmal die Lebenszeit des Komponisten ermitteln. Spärliche und stets nur beiläufige Erwähnungen in Aufsätzen der zwanziger Jahre, auf die ich rein zufällig stieß, blieben neben der Notenausgabe das allein Greifbare, und bei den Klavierstücken schien es sich um das einzige veröffentlichte Werk zu handeln.

Der vollständige Titel des als op. 2 nummerierten Zyklus lautete Klavierstücke mit Überschriften nach Worten von Nicolaus Lenau, wobei der Komponist, der sich jetzt mit ganzem Namen als Johann Ludwig Trepulka erkennen ließ, offenbar ein Pendant zu Hauers Klavierstücken mit Überschriften nach Worten von Friedrich Hölderlin, op. 25 (1923) hatte schaffen wollen. Bereits viele Äußerlichkeiten der beiden Zyklen stimmten überein und zeigten eine auffällige Verwandtschaft, auf die ich später zurückkommen werde. Mir gefiel Trepulkas zwölftönige, oft ganz tonal und kaum je dissonant klingende Harmonik freilich nicht minder gut als die Hauers, zumal ich allmählich einen eigenständigen, von Hauer verschiedenen Ton herauszuhören glaubte. Nach mehrfachem Durchspielen entschloss ich mich, das Werk einzustudieren. Marita Emigholz, die Redakteurin für Neue Musik bei Radio Bremen, ermöglichte mir, das Werk Anfang 1998 in eine Rundfunkproduktion einzubeziehen (diese Aufnahme befindet sich auf der der Aboauflage dieser Ausgabe beigefügten CD), während ich ein Jahr später den Zyklus erstmals vor Publikum in Ingo Ahmels? Konzertreihe «dacapo» im Bremer Überseemuseum spielen konnte. Andere Verpflichtungen ergaben sich vorerst nicht.

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