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Montag, 4. Juli 2022

Kurt Witterstätter

Benedikt Stampas erste Baden-Badener Saison

Sehnsucht stillen ohne den Hausgott

Kurt Witterstätter am 22.03.2019 um 09:42 Uhr


Für den Ende des Jahres vom Dortmunder Konzerthaus als Intendant in das Baden-Badener Festspielhaus wechselnden Benedikt Stampa ist die badische Kurstadt mit ihrer „literarisch-künstlerischen Noblesse“ ein „Ort der Sehnsucht“. Dabei mag indes auch die feine Ziselierung aufklärerisch wirken.

So erhält in Stampas erstem Baden-Badener Jahresprogramm 2019/20 der große Erleuchter Beethoven einen besonderen Platz. Die achte Osterfestspiel-Opernproduktion der Berliner Philharmoniker gilt unter ihrem neuen Chef Kirill Petrenko dem „Fidelio“ in der Inszenierung der Slowenin Mateja Koleznik mit Marlis Petersen als Leonore. Das Ziselierte besorgen die Streicher der Philharmoniker reihum mit sämtlichen Beethoven-Streichquartetten im Kurhaus.

Übers Jahr sind dann fast alle Beethoven-Sinfonien zu hören: Die Nummern 2, 3, 5, 6, 7, 8 und 9. Die Neunte leitet Petrenko-Vorgänger Sir Simon Rattle mit London Symphony Orchestra and Chorus. Auch Stampa spielt aber wie sein Vorgänger Andreas Mölich-Zebhauser das Großformatige aus, zu dem das nun gut zwanzig Jahre alte Haus am ehemaligen Stadtbahnhof motiviert. Bruckner ist mit seiner Vierten, Siebenten, Achten und Neunten vertreten. Auch Mahler kommt mit seiner Dritten, Fünften und Sechsten zum Zug. Unter den Dirigenten finden sich neben den Altmeistern Herbert Blomstedt und Valery Gergiev die aufstrebenden Andris Nelson und Yannick Nézet-Séguin.

Brahms, der Baden-Badener Hausgott, kommt diesmal im sinfonischen Bereich zwischen Beethoven und der Hoch- und Spätromantik nicht vor. Wenigstens aber in der Kammermusik und den Rezitals. Hier sind die Pianisten Grigory Sokolov, Evgeni Koroliov, Hélène Grimaud, Yuja Wang, Pierre-Laurent Aimard, Evgeny Kissin, Kit Armstrong und Beatrice Rana angekündigt. Bei den Geigern ist es mit Nikolaj Znaider, Leonidas Kavakos und Julia Fischers Quartett etwas dünner. Die Sängerelite ist mit Cecila Bartoli, Jonas Kaufmann, Philippe Jaroussky, Diana Damrau, Christian Gerhaher und Renée Fleming in Soloabenden groß vertreten.

Das Vokale schlägt auch in zahlreichen Aufführungen großer geistlicher Werke durch. Da sind Bachs h-Moll-Messe, die Requiems von Bach, Verdi und Fauré sowie Beethovens Missa Solemnis zu erleben. Die Opern bevorzugt Stampa außer dem „Fidelio“ konzertant: Gergiev leitet von Verdi den „Troubadour“ und „Attila“ (mit Ildar Abdrazakow) sowie den zweiten „Tristan“-Akt Wagners. Dafür werden anderweitig neue musikdramatische Wege beschritten: Teodor Currentzis bringt bei den beiden Blöcken mit seinen Musica-Eterna-Kräften aus Perm Philippe Hersants Kantate auf Gulag- und französische Gefangenen-Gedichte und überblendet Verdis Requiem mit Projektionen der Bilderwelten Jonas Mekas aus dem New Yorker Kunstmuseum „The Shed“.

Beim Tanz fasst neben den klassischen Konstanten des Hamburg-Balletts John Neumeiers mit der Inszenierung von Glucks „Orpheus und Eurydike“, dem Mariinsky-Ballett und dem Nederlands Dans Theater auch der Flamenco mit der Company Antonio Gades Tritt.


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