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Montag, 4. Juli 2022

Kurt Witterstätter

76. Strasbourg-Festival mit Brendel, Nelsons und Gardiner neu gestylt

Im Geist der Gründerzeit

Kurt Witterstätter am 12.10.2013 um 17:19 Uhr


Nach Harry Lapps Rückzug übernimmt die Stadt Straßburg mit samt dem Straßburger Musikfreunde-Verein SAMS (Société des Amis de la Musique de Strasbourg) das traditionelle, 1932 mit Konzerten unter Wilhelm Furtwängler und Albert Wolff gegründete Juni-Festival. Festspielleiter Philippe Olivier, ein aus dem Elsass stammender Musikwissenschaftler (60), hat das 76. Strasbourg-Festival zwar auf eine Woche vom 7. bis 15. Juni 2014 verkürzt. Er kommt aber mit drei bis vier Veranstaltungen pro Tag doch auf 33 Darbietungen. Thema ist mit den auf 2014 fallenden 150. Geburts- und 65. Todestagen von Richard Strauss die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert. Olivier bezieht dazu auch viele in der damaligen Reichslandzeit in Straßburg entstandene Gebäude in sein Festival ein: So die Pauls-Garnisonskirche, das zur Kaiserresidenz dienende Rheinpalais, das als Sängerhaus gebaute Palais des Fêtes und die neuromanische, katholische Jung-Sankt-Peter-Kirche. In der Paulskirche dirigiert Jérémie Rhorer zum Auftakt konzertant Beethovens „Fidelio“ (mit Malin Byström als Leonore und Nikolai Schukoff als Florestan). Im Münster erklingt zum Pfingst-Hochamt des Elsässers Marie Joseph Erb „Dona nobis pacem“ und die Kommunions-Motette des seinerzeitigen Straßburger Musikchefs Otto Klemperer. Danach erfreuen die Wiener Collage mit „Von der Donau an die Seine“ und Frank Strobels Nürnberger Salonorchester zu Robert Wienes „Rosenkavalier“-Film. Im Sängerhaus, da wo Richard Strauss 1905 bei einem elsässisch-lothringischen Musikfest seine „Sinfonia Domestica“ aufführte, dirigiert Andris Nelsons die Musik aus dem Hause Strauss mit dem WDR-Sinfonieorchester. Das „Heldenleben“ führt Rafael Frühbeck de Burgos mit der Dresdner Philharmonie in Jung-Sankt-Peter auf. Im Straßburger Münster spielen John Eliot Gardiners English Baroque Soloists Bach, Händel und Rameau. Vor dem Rohan-Schloß leitet Straßburgs Musikchef Marko Letonja mit drei Chören (eigener Philharmonie-Chor, Brünner Philharmonie-Chor und Französischer-Armee-Chor) und seinen Philharmonikern das Berlioz-Requiem. Alfred Brendel spricht über seine Klavier-Einspielungen und präsentiert im Wasserschloß Osthouse/Osthausen mit Kit Armstrong und Adrian Brendel eine Schubertiade. Nicht weit davon gibt es im Würth-Museum Erstein zu Skulpturen von Anthony Caro Musik von Leos Janacek und ist der Karl-Kraus-Film „Die letzten Tage der Menschheit“ zu sehen. Denn Oliviers Neuzuschnitt des Strasbourg-Festivals liebt auch das Crossover: Mit Klezmer im Contades-Park, dem Akkordeonisten Julien Gonzales im Generalratsgebäude, Jazzpianist Vijay Iyer in der Aubette und Bill Carrothers Jazz von 1918 im Sängerhaus. Fragt sich nur, ob die täglich um 12, 16 und 20 Uhr beginnenden Veranstaltungen eine Woche lang die Säle füllen. Immerhin zeichnen Präsident François Hollande und Bundespräsident Joachim Gauck als Schirmherren des runderneuerten Strasbourg-Festivals, für das zuletzt sogar das Pariser Kulturministerium die Zuschüsse eingestellt hatte.


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