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Montag, 21. April 2014

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Das Label NCA feiert seinen 20. Geburtstag mit einem stolzen Blick zurck und vielen Ideen fr die Zukunft

"Ich mchte nichts Geschniegeltes und Gebgeltes"


Das Label NCA hat allen Grund zum Feiern. Seit nunmehr 20 Jahren bereichert es den Tontrgermarkt mit interessanten und knstlerisch hochstehenden Produktionen nicht selten abseits des von anderen (und greren) Firmen oft aufgenommenen Standard-Repertoires. Doch ist NCA keineswegs ein Spezialistenlabel fr Entlegenes und Ausgefallenes. Im Programm finden sich auch ein weithin beachteter Zyklus der Beethoven-Streichquartette oder eine Aufnahme von Hnsel und Gretel. Daneben gibt es aber auch Raritten aus dem Bereich Alter Musik. Beides das Besondere und das Bekannte verbindet NCA in einer Reihe der sinfonischen Dichtungen von Franz Liszt, die hier erstmals auf historischen Instrumenten erklingen. Einen kleinen Rckblick auf die vergangenen 20 Jahre wirft Label-Chef Klaus Feldmann im Gesprch mit klassik.com-Autor Tobias W. Pfleger, schaut aber gleichzeitig mit wachen Sinnen in die Zukunft.

Was verbirgt sich hinter dem Namen NCA New Classical Adventure? Was hat es mit dem Abenteuer auf sich, das Sie im Namen fhren?

Dahinter verbirgt sich die Absicht, dem Hrer die Mglichkeit zu bieten, Neues zu entdecken. Wir wollen uns eher weniger auf Standardliteratur konzentrieren, sondern auf wiederentdeckte Werke, ungewhnliche Besetzungen und Interpretationen, also in mehrerer Hinsicht Grenzberschreitendes.

Wie kam es dazu, dass Sie eine neue Plattenfirma ins Leben gerufen haben?

Wir kamen zu Wendezeiten als Musiker auf den damaligen Eigentrmer, Jrgen Jacobsen zu. Mein Bruder und ich hatten in der DDR ein hohes Renommee als Gitarrenduo und auch eine Platte bei Eterna produziert. Zu Wendezeiten waren wir auf der Suche nach neuen Partnern und stieen dann auf Umwegen auf ihn, der Interesse bekundet hatte, mit uns zu produzieren. In diesem Zusammenhang entstand die CD Bach in Kthen. Sie wurde dann als erste CD bei NCA im Oktober 1992 verffentlicht. Nachdem diese Produktion fr mich als Produzent neben dem eigenen Spiel gut abgelaufen war und er gemerkt hatte, dass ich erstens Interesse und zweitens das Vermgen hatte und er selbst darber hinaus Interesse bekundete, in die Produktionsschiene einzusteigen, beauftragte er mich mit der Erarbeitung eines Klassikkataloges.

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Wie ging es dann weiter?

Ich bin in die Aufbauarbeit des Labels hineingesprungen wie ins kalte Wasser, weil ich kein ausgebildeter Produzent fr eine Schallplattenfirma war, sondern studierter Musiker und Komponist. Aber ich habe zehn Jahre lang als musikalischer Leiter die Geschicke eines Theaters gelenkt; insofern war ich durchaus geeignet wie man jetzt sieht. Aber das konnte man damals noch nicht wissen. Fr mich selbst war das ein totales Abenteuer. Ich hatte natrlich schon den Blick auf den Tontrgermarkt gerichtet, um herauszufinden, was die einzelnen, insbesondere kleine Labels auszeichnet, speziell in der Ausrichtung des Repertoires. Ich habe in meiner ber 30 Jahre dauernden Konzertpraxis erlebt, dass es durchaus immer wieder Menschen gibt, die sich aus meiner Sicht zu ihrem Nachteil zu stark auf eine Musikrichtung beschrnken; dadurch geht ihnen ganz viel verloren. Deshalb habe ich gesagt: Wir drfen kein Label grnden, das sich z. B. auf Alte Musik oder Gitarrenmusik etc. konzentriert, sondern ich mchte erreichen, dass der musikinteressierte Hrer, der mehr als nur einen engen Blick hat, herausfinden kann, dass Musik eine Sprache ist, deren Dialekte' ber die Jahrhunderte verschieden sind, dass es aber ganz viele Entsprechungen gibt und zum Beispiel Bach gar nicht so weit entfernt ist von einem Teil der zeitgenssischen Musik.

Dieses Vorhaben hrt sich in der Tat nach einem Abenteuer an

Das Abenteuer, das wir angingen, war zweifach: erstens fr mich das Wagnis, diese Aufgabe zu bernehmen und zu bewltigen; zweitens, dass wir uns von den anderen Labels insofern abheben wollten, als wir versuchten, unser Repertoire bewusst nicht zu reduzieren, obwohl wir natrlich wussten, dass das riskant war. Denn es kann nur allzu leicht passieren, dass man dann ein Sammelsurium produziert. Von einer Zeitung wurde das einmal als erfrischend konzeptlos bezeichnet aber das ist es ja nun gerade nicht! Erfrischend schon, aber nicht konzeptlos. Unser Abenteuer bestand nicht nur darin, uns nicht zu spezialisieren, sondern auch in dem Anspruch, die Stammliteratur nicht zum x-ten Mal aufnehmen. Wir wollten auf die Suche nach ungewhnlichen Ensembles, ungewhnlichen Interpretationen, ungewhnlichen Bearbeitungen gehen und eben das war und ist das Abenteuer.

Wie kam die Zusammenarbeit mit ersten Knstlern zustande?

Nachdem ich den Auftrag erhalten hatte, einen Klassikkatalog ausschlielich mit Neuproduktionen aufzubauen, bin ich natrlich erst einmal in mich gegangen und habe berlegt, mit wem man arbeiten knnte. Ich habe im Umfeld von Kollegen studiert, von denen ich wusste, dass sie sich auf ihrer speziellen Schiene sehr weit vorgewagt hatten, etwa die Lautten Compagney. Ich kannte auch den Manager des Gewandhaus-Quartetts. So habe ich Partner angesprochen, die ich selbst kannte und von deren knstlerischer Leistung ich berzeugt war. Die Kollegen waren schnell berzeugt, dass das die richtige Partnerschaft fr sie wre. Die Zusammenarbeit mit dem Gewandhaus-Quartett war natrlich ein absoluter Traumfall fr mich in diesem Moment. Und dann kam eines zum anderen; es sprach sich natrlich herum, dass da ein neues Label auf sich aufmerksam macht, das versuchte, anders zu arbeiten.

Was kennzeichnet Ihre Zusammenarbeit mit den Knstlern?

Ich habe von vornherein gesagt: Ich bin zwar musikinformiert, lese viel, hre viel, wei in aller Bescheidenheit sicher einiges, aber ich kann nicht alles bis ins kleinste Detail kennen. Ich bin also angewiesen auf die Gemeinsamkeit in der Zusammenarbeit mit den Knstlern. Ich mchte daher, dass die Knstler ihre Herzenswnsche offenbaren und wir gemeinsam herausfinden, ob ein Programm fr das Label geeignet ist. Ich bin natrlich auf der Suche nach bestimmten Projekten, die ich fr das Label als geeignet betrachte oder bei denen ich das Gefhl habe, dass sie die Lcken im Repertoire des Labels fllen knnen, um das Bild abzurunden. Dazu kommen viele Vorschlge von den Knstlern, die wir natrlich gar nicht alle umsetzen knnen. Aber so kann ich sicher sein, dass das, was wir umsetzen, das Ergebnis intensiver berlegungen und Forschungsarbeit auf aktuellstem Niveau ist. So ergab sich von Anfang an eine besondere Art der Zusammenarbeit, die davon gekennzeichnet ist, dass wir uns gegenseitig ergnzen.

Kommen die Vorschlge, welches Repertoire aufgenommen wird, zuerst einmal von den Knstlern, und Sie entscheiden, ob das machbar ist?

Nein, so eindimensional wrde ich das nicht beschreiben. Ich habe die Zusammenarbeit mit bestimmten Knstlern ber Jahre hinweg bewusst gepflegt. Es kamen immer wieder neue dazu, andere sind weggegangen. Heute gibt es gewissermaen einen harten Kern von Knstlern, von denen ich wei, dass sie von vornherein berlegen: Wie knnen wir unseres und das Bild des Labels abrunden? Solche Zuarbeit von den Knstlern ist enorm wichtig. Zudem spreche ich natrlich auch gezielt Knstler an, von denen ich mir etwas verspreche und versuche sie zu berzeugen, ber dieses oder jenes Projekt einmal nachzudenken.

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Sie haben es sich zum Ziel gemacht, junge Knstler zu frdern. Nach welchen Kriterien whlen Sie junge Knstler aus?

Das ist ein hoch kompliziertes Thema. Ich habe als junger Knstler selbst erlebt, wie kompliziert es ist, auf diesem Markt Fu zu fassen; ich wre froh gewesen, wenn so jemand wie ich mich htte frdern wollen. Kriterien festzulegen ist uerst schwierig. Ich hre mir einfach sehr viele Konzerte von jungen Knstlern hier in Berlin an. Manchmal werde ich eingeladen, manchmal kenne ich die Dozenten. Wir haben uns auch schon an einem Wettbewerb beteiligt. Beim Schostakowitsch-Wettbewerb Rheinsberg 2007 haben wir z. B. einen Sonderpreis ausgelobt. Technische Meisterschaft ist bei jungen Knstlern heute weit verbreitet. Fr mich ist aber darber hinaus wichtig, ob der Knstler Potenzen in Aussicht stellt. Freilich kann ein junger Knstler nicht so erfahren sein wie jemand, der 20 Jahre auf der Bhne gestanden hat, aber ich muss den Eindruck gewinnen, dass er mir knstlerisch etwas zu sagen hat und dass er entwicklungsfhig ist. Natrlich spielt die technische Frage auch eine Rolle. Man muss jemanden finden, der in der Szene ebenbrtig ist, das ist keine Frage.

Haben Sie auch andere Wege auf der Suche nach frderungswrdigen Knstlern beschritten?

Ich habe versucht, mit Hochschulen Kontakt aufzunehmen und angeboten, dass sich da Kooperationen ergeben knnten. Doch die Hochschulen waren erstaunlicherweise desinteressiert oder zumindest nicht sehr kooperativ, so dass ich mich dann persnlich an Professoren und Dozenten gewandt habe. Ich nutze zudem ber mein eigenes Territorium hier in Berlin hinaus sozusagen ein verlngertes Ohr' durch befreundete Professoren, und auf diese Weise bin ich zum Beispiel auf die junge Gitarristin Magdalena Kaltcheva gestoen. Sie wurde damals als junge Wilde angekndigt. Und so war und ist sie auch musikalisch. Sie hatte bereits damals einen enorm hohen technischen Standard bewiesen und war aus meiner Sicht sehr entwicklungsfhig was sich bewahrheitet hat. Andererseits hat sich leider das Trio Leandro, das mit Flte, Bratsche und Harfe sehr ungewhnliche Musik machte und von dem ich mir hnliches erwartet hatte, aufgelst. Die Musiker hatten den Eindruck, mit Musik ihr Leben nicht finanzieren zu knnen. Das fand ich natrlich sehr bedauerlich.

In welcher Grenordnung bewegen sich die Neuproduktionen von NCA jhrlich?

Wir hatten uns festgelegt, im Durchschnitt rund zehn Produktionen pro Jahr zu machen. Das macht die Auswahl natrlich nicht leicht. Ich habe viele Angebote, auch von Knstlern, die mir entweder Projekte oder sogar bereits fertig produzierte Master zur Nutzung anbieten so weit sind wir mittlerweile ja schon. Meine Aufgabe ist es herauszufinden, was davon das Label vor dem Hintergrund, dass ich nur eingeschrnkte Mglichkeiten habe, bereichern knnte. So kann ich etwa 10 Prozent jener Angebote verwirklichen, die ich frs Label NCA als geeignet einschtze. Ich arbeite bei der Auswahl eng mit meinem Kollegen James Lask in Hamburg zusammen, der die Klassik der Membran Media GmbH verwaltet, und hole mir im Zweifelsfall Rat bei meinen musikalischen Freunden ein. An dieser Stelle darf man nicht eitel sein, denn ich bernehme ja auch Verantwortung, wenn ich eine Produktion umsetze. Da will ich schon sicher sein, dass alles Hand und Fuߑ hat. Die Kritiklandschaft beweist, dass uns dies durchaus gelungen ist: Ich habe bislang bei mittlerweile 150 Titeln im Grunde keinen Flop produziert. Zwar gab es mal den einen oder anderen Streitpunkt, aber dass eine Produktion ernsthaft durchgefallen wre, kann man nicht sagen.

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Gab es Leuchttrme oder Verkaufsrenner, die sich als besonders positiv erwiesen haben vielleicht auch entgegen ursprnglicher Annahmen?

Es ist klar, dass natrlich das Gewandhaus-Quartett nicht nur einer der frhesten Reprsentanten fr uns war, sondern bis in die heutigen Tage hinein schon der Leuchtturm ist, insbesondere mit den Beethoven-Streichquartetten. Da hat sich bewiesen, dass wir durchaus flexibel und im Interesse der Sache denken knnen. Eigentlich hatte ich nie beabsichtigt, einen Zyklus mit Beethoven-Streichquartetten zu produzieren; das war berhaupt nicht auf meiner Liste. Wir planten zunchst, mit dem Gewandhaus-Quartett Prokofjew, Schostakowitsch, Strawinsky aufzunehmen. Die Musiker aber deuteten an, gerne Beethoven zu produzieren, weil sie dieses Repertoire natrlich hufig spielten. Dadurch haben wir angefangen, Beethoven zu produzieren. Es kam dann ein Beethoven zum anderen, unterbrochen von einigen Mendelssohn- und Schubert-Aufnahmen. Mit der Zeit hatten wir dann aber so viele Beethovensche Streichquartette beisammen, dass wir uns entschlossen, den Zyklus zu vervollstndigen. Das hat dann zwar ein paar Jahre gedauert, aber es war ein Vorhaben, das gereift war, das wir als gewachsene Idee realisiert haben. Die Idee ist dann unter anderem mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik geadelt worden. Die Produktion ist fr mein Empfinden wirklich auerordentlich gut gelungen, auch wenn sie Jahre gedauert hat. Schlielich haben wir dann doch versucht, der Gesamtaufnahme noch etwas Besonderes zu verleihen. Wir haben der Ausgabe eine Bonus-CD mit historischen Aufnahmen frherer Gewandhaus-Quartett-Besetzungen und Interviews mit frheren Mitgliedern des Ensembles zur Beethoven-Interpretation beigelegt. Dadurch hat auch diese Ausgabe zur besonderen Interpretation noch etwas Besonderes bekommen.

Sie haben angesprochen, dass junge Knstler manchmal bereits mit fertigen Aufnahmen auf Sie zu kommen. Sehen Sie die Tendenz in jngster Zeit, dass Knstler Aufnahmen in Eigenregie herstellen, als negative Entwicklung?

Klar hat man heute sehr viele technische Mglichkeiten, so etwas in Eigenregie herzustellen. Noch zu Zeiten der Schallplatte wre das nicht denkbar gewesen. Fr CD-Firmen knnte das durchaus eine Gefahr darstellen, wenn es zu stark verbreitet ist. Aber das Problem ist ja nicht, eine CD aufzunehmen und herzustellen. Die grte Schwierigkeit liegt heute vielmehr im Vertrieb. Ich sehe selbst, welche auerordentlichen Anstrengungen es bedeutet, einen weltweiten Vertrieb zu gewhrleisten. Da wird es mit einem Eigenvertrieb schnell zu Ende sein, wenn man als Knstler diese Aufgabe ebenso wrde bernehmen wollen. Wir haben aus gutem Grund einen eigenen Firmenbereich, der sich nur um den Kontakt zu internationalen Vertrieben kmmert, und die Kollegen sind durchaus ausgelastet. Insofern frchte ich mich vor dieser Entwicklung nicht. An sich finde ich das auch nicht schlecht. Es gibt Firmen, die den Knstlern aus meiner Sicht nicht immer gerade vorteilhafte Bedingungen bieten. Da kann man es jungen Knstlern nicht verbeln, wenn sie sagen: Das kann ich auch alleine machen. Diese Tendenz ist durchaus auch im Bereich der gestandenen Knstler zu beobachten.

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Wie sehen Sie allgemein die Zukunft des physischen Tontrgers? Spielt Download fr Sie eine groe Rolle?

Natrlich stellen wir seit Jahren innerbetrieblich berlegungen an, was die Zukunft der CD betrifft. Durch die elektronische Verbreitung von Musik, insbesondere im Bereich Rock/Pop, gibt es natrlich eine gewisse Gefahr, dass die CD in einigen Bereichen tatschlich einmal verschwinden knnte. Im klassischen Bereich wrde ich eher meinen: nein. Ich sehe das an mir selbst. Ich mchte nicht irgendwo ein File herunterladen und dann vielleicht noch ein PDF, das ich dann halbherzig ausdrucke. Sondern ich habe Spa daran, mir eine CD einzulegen, mir das Beiheft herauszunehmen und ein bisschen zu schmkern. Ich glaube, viele Klassik-Hrer, wollen sich das nicht nehmen lassen, zumindest sagen das meine eigenen Marktanalysen, die ich in meiner Umgebung anstelle. Hinzu kommt, dass es im Bereich der Klassik keine Chart-orientierten Titel gibt, die von der Festplatte gelscht werden, wenn der Song aus den Charts wieder rausgefolgen ist. Ich wrde meinen, der physische Tontrger wird sich, auch wenn er vielleicht dann in eher kleineren Stckzahlen produziert werden sollte, im klassischen Bereich durchaus noch erhalten.

Ist das vielleicht auch eine Generationenfrage?

Ich will das Phnomen des Downloads gar nicht unterschtzen, gerade was die junge Generation angeht. Die jungen Leute sind einfach routiniert in solchen Dingen, die machen das auf dem Fahrrad nebenher. Insofern sie berhaupt an die Klassik herangefhrt werden knnen, erreichen wir sie wahrscheinlich nur so. Insofern mssen wir das ernst nehmen und auch anbieten. Wir sehen anhand der Verkaufszahlen, dass das nicht unspektakulr ist, auch im Klassikbereich. Aber ich denke auch an den eingefleischten Konzertbesucher. Der wird eine CD haben wollen, die er im Laden kaufen kann.

Gibt es unterschiedliche Prferenzen aus Ihrem Sortiment, was heruntergeladen und was als CD gekauft wird?

Nein, das ist keine Generationen- oder Medienfrage, das liegt einfach am musikalischen Angebot. Im letzten Jahr waren das vermehrt die Aufnahmen der Sinfonischen Dichtungen von Franz Liszt mit der Wiener Akademie und Martin Haselbck, auch im Download, vielleicht auch deshalb, weil die erste Folge der Liszt-Serie den internationalen Liszt-Preis bekam. Daran erkenne ich, dass unsere programmatischen Entscheidungen durchaus richtig waren, auch wenn wir sie uns nicht leicht gemacht haben und ich mit meiner Konzeption, mosaikartig zu produzieren, durchaus ein hohes Risiko eingehe.

Eine stattliche Anzahl Ihrer Produktionen sind SACDs. Welche Kriterien sind ausschlagend fr Entscheidung, welche Titel als SACD, welche als CD produziert werden?

Wir hatten eine ganz Zeit lang fast durchgngig SACDs produziert. Ich fand das gar nicht so gut, weil aus meinen Erfahrungen Orchesterproduktionen viel eher dafr prdestiniert sind als etwa eine Solo-Gitarre. Jetzt produzieren wir keine SACDs mehr, weil sich herausgestellt hat, dass dieser Markt wahnsinnig klein ist, auch wenn es eine Fangemeinde gibt, die nur hochaufgelste Tontrger kauft. Wir haben Multichannel-Hybrid-CDs produziert, um den Hrer mit normalem CD-Player nicht auen vor zu lassen. Bei Hybrid-SACDs sind beide Fassungen eine Stereo- und eine Surround-Version auf einen Tontrger gepresst, was die Herstellung natrlich teurer macht. Hinzu kommt, dass die Hersteller der Player nicht mitgezogen haben. SACDs sind eher etwas fr Liebhaber.

Spielt fr Sie die Klangqualitt eine entscheidende Rolle?

Natrlich ist die Klangqualitt etwas Wichtiges, weil Hrer, die an Klangqualitt ihr Kaufverhalten orientieren, nicht ignoriert werden drfen. Ich bin aber zuerst daran interessiert, ob mich etwas musikalisch ergreift. Das Klangliche entscheiden letztlich Tonmeister und Knstler. Wir arbeiten mit einer ausgewhlten Schar von Tonmeistern zusammen, von denen ich genau wei, welche sthetische Herangehensweise sie haben und was deren Ziel ist. Ich kann also sicher sein, dass der Tonmeister unseren Idealen entsprechend arbeitet. Ich sage auch allen, die mir einen Projektvorschlag schicken mchten: bitte keine fertig produzierte CD, weil man da nie wei, wie diese zustande kamen. Ich mchte in diesem Stadium nichts Geschniegeltes und Gebgeltes.

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Auf Ihrer Website gibt es eine Rubrik Fachhndler. Glauben Sie, dass in Zeiten, in denen immer mehr Bestellungen bers Internet laufen, Fachhndler noch eine Rolle spielen werden?

Na, das hoffe ich sehr! Im Grunde versuche ich Leute, die nicht wissen, was sie aus ihrem Leben machen sollen, davon zu berzeugen, dass sie einen Plattenladen aufmachen. Ich denke, die Luft fr Fachhndler wird dnner werden, allein dadurch, dass man im Internet bequem von zuhause aus fast alles bekommen kann, mehr noch als ein Hndler anbieten kann. Aber ich wnschte mir, die Fachhndlerkultur wrde nicht so sang- und klanglos verschwinden. Denn es ist ja auch einfach schn, mal eine CD in die Hand zu nehmen oder reinzuhren. Vielleicht mssen sich die Geschfte aber auch dahin entwickeln, dass sie nicht eine reine Verkaufseinrichtung sind; vielleicht msste man da mehr Mglichkeiten zum Hren haben oder in Musikzeitschriften blttern zu knnen. Vielleicht sollte aus der reinen Verkaufsflche mehr eine Begegnungssttte mit Musik werden. Denn die grundlegende berlegung ist: Worin knnen sich Hndler vom Internet unterscheiden? CDs anbieten geht im Internet einfacher. Ich glaube, die Hndler sind gut beraten, wenn sie ihre Produkte fern vom Internet auf eine Weise darstellen, wie es im Internet eben nicht mglich ist.

Andererseits ist es gerade fr kleinere Labels sehr gut, die Mglichkeit zu haben, bers Internet CDs zu verkaufen, weil der kleine Hndler ja nicht jede CD vorrtig hat

na, das ist klar; das steht auer Frage. Unsere CDs kann man ja auch in allen wichtigen Internet-Stores bekommen. Das ist richtig und wichtig. Aber ich bin ganz allgemein nicht berzeugt davon, dass das irrwitzige Tempo, mit dem wir glauben leben zu mssen, wirklich gut fr Krper und Seele ist. Ich wrde mich eher freuen, wenn sich alles mal ein bisschen beruhigen wrde. Man muss nicht immer alles gleich am nchsten Tag haben. Wenn ich eine CD kaufe, muss ich die nicht Minuten spter mit einem verschwitzen Boten an der Tr haben. Insofern wre es aus meiner Sicht besser, wenn sich das Verkaufen einiger Artikel wieder mehr vom Internet weg verlagern wrde.

Welche Bedeutung hat Ihrer Meinung nach das Internet im Bereich des Journalismus im Allgemeinen und der Musikkritik im Besonderen?

Dass wir auf klassik.com zugegangen sind, insbesondere wegen unseres zwanzigjhrigen Jubilums, zeigt schon, dass wir das, was Sie reprsentieren, wichtig finden und ernst nehmen. Ich glaube, der wichtigste Effekt des Internets ist das Verbreiten von Informationen. Das ist wirklich gut, weil kein Printmedium so schnell und so aktuell sein kann. Insofern begre ich das und untersttzte es auch, weil letztlich das Informationsangebot immer grer sein wird als ein Printmedium erfassen kann.

Bleibt die Schwierigkeit fr den Nutzer, serise Medien von Inhalten zu unterscheiden, die, nur notdrftig als Rezension getarnt, im Grunde PR-gesteuerte Inhalte sind.

Das liegt in der Natur des Internets, das kann man nicht verhindern. Wir haben in der Vergangenheit eine Zeit lang versucht, mglichst viele Journalisten zu bemustern und alle zu informieren. Aber wir werden uns befleiigen mssen herauszufinden, wer seris ist. Wir reduzieren jetzt unsere Medien-Partner sehr stark auf jene, von denen wir berzeugt sind, dass sie seris und fair sind.

Sie haben anlsslich Ihres Firmenjubilums einige NCA-Titel fr das klassik.com Gewinnspiel ausgewhlt. Wie kamen Sie zu dieser Auswahl an CDs?

Ich habe versucht, erst einmal unsere Neuheiten ins Gesprch zu bringen. Denn das ist das, was uns tagesaktuell auszeichnet. Und dann habe ich natrlich auch darauf geachtet, dass wir Titel dabei haben, die sicherlich nicht nur fr den Spezialisten von Interesse sein knnen.

Welche Ideen haben Sie fr (realistische) zuknftige Projekte und fr schwieriger realisierbare Produktionen?

Oh, ich habe immer wahnsinnig viele Ideen! Ein Traum wre, eine Mglichkeit zu schaffen, unsere Topstars von NCA z. B. das Gewandhaus-Quartett, Martin Haselbck mit Orgel, Andrej Hoteev mit Klavier, Magdalena Kaltcheva mit Gitarre zu fusionieren mit einem eigens fr diese Besetzung komponierten Stck. Das knnte sicherlich etwas Erstaunliches bieten. Einen anderen Traum habe ich im Bereich der Neuen Musik, da ich als Komponist selber Interesse daran habe, dass zeitgenssische Musik verbreitet wird. Das ist uerst schwierig, denn die Kuferschar ist sehr klein. Aber mein Traum wre, neben den Streichquartetten von Beethoven und Mendelssohn auch Quartette etwa von Paul-Heinz Dittrich im Repertoire zu haben. Ob sich dieser Traum umsetzen lsst, wei ich nicht. Solche speziellen Sachen erfordern viel Vorarbeit und besondere Partnerschaften. So etwas ist heute nicht mehr so einfach umzusetzen wie frher.

Gibt es etwas, was fr Sie als Produktion berhaupt nicht infrage kommt?

Das kann man so nicht sagen. Ich habe auch in meiner Geschichte verschiedene Angebote gehabt, bei denen ich gezgert habe; da war selbst mein Wagemut erschpft. Ich wrde ganz entschieden nichts machen, was nur technische Ansprche bedient. Leichtathletik in der Kunst finde ich nicht sehr interessant. Ich bin bereitwillig und sofort dabei, grenzberschreitend zu arbeiten. Wir sind etwa gerade dabei, eine Lizenz vom WDR vorzubereiten mit dem Titel Handels Delight. Hier sind Jazz-Arrangeure an Hndel-Werke herangegangen, und damit sind wir natrlich absolut in einer stilistischen Grauzone. Aber damit habe ich berhaupt kein Problem. Insofern wrde ich nichts von vornherein grundstzlich ausschlieen. Das wre auch verkehrt, denn es ist ja mein Plan, ungewhnliche Wege zu beschreiten.

Welche Gefhle verbinden sich beim Rckblick auf 20 Jahre NCA?

Erst einmal bin ich froh, dass es uns noch gibt, dass wir uns von Vorkommnissen innerhalb dieser 20 Jahre, die sich auf den Tontrgermarkt durchaus negativ ausgewirkt haben, nicht haben unterkriegen lassen, dass wir tapfer waren und die Probleme durchgestanden haben, auch wenn es kompliziert wurde. Ich bin auch deswegen ein klein wenig stolz darauf, dass es uns noch gibt, weil es beweist, dass wir etwas machen, was eine gewisse Wertigkeit hat. Und ich bin froh, Leute an meiner Seite zu wissen, die schtzen, was wir tun und das auch in vielerlei Hinsicht untersttzen.

Das Gespräch führte Tobias W. Pfleger.
(10/2012)

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