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Donnerstag, 18. September 2014

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Musikzeitschriften im Portrait: Neue Zeitschrift für Musik

"Es geht ganz, ganz vieles"

Michael Bastian Weiß im Gespräch mit dem Komponisten Manfred Stahnke

von Michael Bastian Weiß, aus: Neue Zeitschrift für Musik 04/2002

(ungefähr 4 Seiten)

Wer - etwa als ein begeisterter Hörer - dem Komponisten Manfred Stahnke bescheinigt, dieses oder jenes Werk von ihm sei ja im typischen "Stahnke-Stil" geschrieben, wird auf Unverständnis oder zumindest Überraschung stoßen. Die Suche nach einer eigenen Sprache, für viele Komponisten seit dem 19. Jahrhundert so wichtig, spielt für ihn nur eine sekundäre Rolle. Als Schüler von Fortner, Klaus Huber und Ligeti wurde Stahnke früh mit undogmatischem und synkretistischem Denken vertraut. Deutlich wendet er sich gegen Ansprüche stilistischer Reinheit; er spricht sich dafür aus, den Reichtum der Musikgeschichte und anderer Kulturen zu nutzen. Intensiv hat sich Stahnke mit computergestützten Techniken beschäftigt; in seiner vierten Oper Orphus Kristall, die soeben im Rahmen der Münchener Biennale uraufgeführt wurde, bezieht er auch Möglichkeiten des Internets ein. Michael Bastian Weiß sprach darüber mit dem Komponisten.

In "Orpheus Kristall" sind komplexe Passagen tonal organisiert. Ist gegenwärtig eine Entkrampfung der Musiksprache im Sinne der Überwindung von Nachkrigsdogmen festzustellen?

Ich habe es immer als eine Verkrampfung empfunden, dass Dreiklänge sozusagen verboten waren. Schon während meiner Zeit bei Fortner in den siebziger Jahren habe ich gemerkt, dass diese Entwicklung in eine Spätphase getreten ist. Dann ermutigten mich Klaus Huber und Ligeti, nicht mehr bloß atonal zu denken, sondern die Musik ganz weit zu sehen. Damit musste ich kein Negativbild GEGEN eine bestimmte Richtung entwickeln. Für mich war Musik immer etwas außerordentlich Umfassendes, ohne Grenzen. Gerade während meines Studiums des musikalischen Mittelalters wurde mir klar, dass die Komponisten sich immer wieder auf das Nicht-Kunsthafte an Musik, etwa das Volkstümliche - sowohl das europäische als auch das außereuropäische - bezogen haben. Diese alte Kultur, aus der wir kommen, ist eine absolut synkretistische Kultur.

Welches sind dann die konkreten Leitbilder, auf die Sie sich selbst während Ihrer Arbeit beziehen?

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