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[Tanzmusik als gradueller Prozess oder: wie minimal ist minimal - Techno?]

Musikzeitschriften im Portrait: Neue Zeitschrift für Musik

Tanzmusik als gradueller Prozess oder: wie minimal ist minimal - Techno?

von Johannes Ullmaier, aus: Neue Zeitschrift für Musik 5/2000

(ungefähr 5 Seiten)

1.

Die Minimal Music stand seit jeher unter Pop-, und Popmusik seit jeher unter Minimal-Verdacht. In welchem Maße dieser sich erhärtet, hängt freilich so stark an der je - meist implizit - zugrunde liegenden Begriffsauffassung und am je vermeinten Beispiel, dass Pauschalbefunde mehr die Perspektive derer, die sie fällen, als die Sachlage erhellen. Konkret gesagt: Wenn eine Popband à la Yes minimalistisch ist, dann ist es Berlioz auch. Und wenn La Monte Youngs "Composition 1960#7 (to be held for a long time)" Pop ist, dann ist Webern auch Pop.
Mehr Gewinn verspricht - zumal auf engem Raum - die Konfrontation begrenzterer, doch exemplarischer Entwürfe: etwa dessen, was im Kontext Neuer Elektronischer Musik derzeit - als Subsparte von Techno - unter "Minimal" firmiert, mit Steve Reichs inzwischen klassischer Programmschrift "Musik als gradueller Prozess" von 1968. Wo und inwiefern bestehen hier Affinitäten? Führt ein Weg von "Drumming" auf den Dancefloor? Oder meint "minimal" im Techno etwas völlig anderes?

2.

Erste Anhaltspunkte bietet das "Techno-Lexikon" von Schäfer/Waltmann/Schäfers (Berlin 1998, S. 235), wo es heißt: "Minimalismus ,Stil' Nach den exzessiven Klangorgien der Technorevolution um 1990 und dem vor allem in Deutschland erfolgreichen Trance-Boom der Folgejahre entwickelt sich in den Musikstuben von Underground-Produzenten wie Robert Hood aus Detroit oder Basic Channel in Berlin eine neue Form von Techno. Sein Wesen liegt nicht in bombastischen Rave-Signalen und orchestralen Arrangements und schon gar nicht in harmonischen Melodiegefügen, sondern vielmehr in der strikten Reduktion an Inhalt, um den Blick oder vielmehr das Gehör wieder freizumachen für das vermeintlich Wesentliche. Nach dem Prinzip "weniger ist mehr" gilt es Techno von all seinem unnützen Ballast zu befreien. Nicht selten bedarf es bei der Produktion eines Vielfachen an Aufwand und Inspiration, denn in der Nacktheit und Spärlichkeit der benutzten Elemente wird jeder Ton, jede kleine Filterveränderung bei der massiven Lautstärke auf den Dancefloors quasi sichtbar."
Einen expliziten Anschluss an die Minimal-Tradition sucht man hier vergeblich. Doch so strikt die Abgrenzung aufs eigene Segment beschränkt bleibt, so deutlich klingt in Hinweisen wie "Reduktion", "Gehör freimachen" oder "Sichtbarwerden kleiner Veränderungen" schon - wenn auch eher unspezifisch - klassische Minimal-Programmatik an.

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