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Mittwoch, 3. September 2014

[Die Oboeninstrumente in tieferer Stimmlage, Teil 5]

Musikzeitschriften im Portrait: Tibia

Die Oboeninstrumente in tieferer Stimmlage, Teil 5

Das Englischhorn in der Klassik

von Michael Finkelman, aus: Tibia

(ungefhr 12 Seiten)

Das Englischhorn (Englisch-Horn, englisches Horn, deutsch; English Horn, engl.; Cor Anglais, franz.; Corno inglese, ital.) war im späteren 18. Jahrhundert die führende Tenoroboe und die einzige, die während des gesamten 19. und 20. Jahrhunderts in Gebrauch war (sieht man von "Early music" Ensembles ab). Zur Zeit der Klassik hatte das Instrument meist ein gebogenes, im Vergleich zu den barocken Instrumenten aber weniger ausgeprägt gekrümmtes Korpus. Um 1790 erschien ein gewinkeltes Modell: dieses erfreute sich etwa ein halbes Jahrhundert einiger Beliebtheit, wenngleich das gebogene bis zum französisch - russischen Krieg das vorherrschende Modell blieb. Henri Brods Instrument mit geradem Korpus, das cor anglais moderne aus dem Jahr 1830, wurde schließlich das bevorzugte Modell, das, von François Loree überarbeitet, bis heute das Standardmodell geblieben ist.

Die Zeit der Klassik
Mit der Produktion von Jomellis Ezio in Wien 1749 war der Grundstock für eine Revolution der Orchesterbehandlung in der italienischen Oper gelegt, wichtiger Teil der Arbeit einer Gruppe von Komponisten, die, wie Jomelli selbst, Kosmopoliten waren. Zu ihnen gehörten Tommaso Traetta, Johann Adolf Hasse und vor allem Christoph Willibald Gluck (1714-1787). Schon in seiner frühen Oper La Danza (1755) verwendet Gluck in der Eröffnungsarie ein Paar Englischhörner. Dies war der Beginn einer umfangreichen Reihe von Partituren, die er für Wien schrieb, während dessen er seine Verbindung zu dem Ballettkomponisten Joseph Starzer belebte und seine Freundschaft zum Hofkomponisten Giuseppe Bonno vertiefte, den er seit 1752 kannte. Er wurde ganz offensichtlich durch Bonnos 1754 zum ersten Mal aufgeführte Oper L' Isola Disabitata in seiner Behandlung des Englischhorns beeinflusst. Durch dieses Werk wurden Gluck die Ausdrucksmöglichkeiten seines Holzblasinstrumentariums bewusst, in dem Englischhornpaare, von den Oboisten des Orchesters geblasen, eine wichtige Rolle spielten.
Als aktiver Operndirigent sowohl seiner als auch anderer Werke setzte sich Gluck auch mit den Schöpfungen seiner Kollegen auseinander. Zu ihnen gehörten Traette, dessen Ifgenia in Tauride 1759 in Wien Premiere hatte, und Hasse, dessen Alcide al Bivio im darauffolgenden Jahr ebenfalls hier uraufgeführt wurde. In beiden Opern fallen den Englischhornpaaren wichtige Begleitungsparts in Arien zu, während Hasse sie in seiner Il Triofono di Clelia (Wien, 1762) in der Ouverture verwendet. Glucks bekannteste Oper, Orfeo ed Euridice, stammt aus demselben Jahr. Hier werden in Orfeos Arie "Piange, il mio ben cosi", einem opernhaften lamento, Englischhörner in die Instrumentation eingefügt: ein Vorgeschmack auf das, was in vielen Werken von Glucks Nachfolgern, vor allem bei Berlioz, zu hören ist. In seinen späteren Werken mit Englischhorn lassen La Rencontre Imprevue (Les Pelerins de la Meque, Wien 1764) und besonders Alceste (Wien 1766/1769) größere Unabhängigkeit und Sinn für Klangkolorit in der Behandlung des Instrumentes erkennen, nun nicht länger unbedingt paarweise eingesetzt, sondern wirkungsvoll verbunden mit anderen solistischen Holzbläsern oder Streichern, um die dramatische Handlung zu intensivieren.
In Wien wurden Englischhörner in Paaren sehr wirkungsvoll von Josef Starzer in seinen zahlreichen Balletten verwendet, besonders in Roger et Bradamente aus dem Jahre 1771, wie auch in vielen Ouvertüren von Werken wie Giuseppe Bonnos Oratorium Il Giuseppe Riconosciuto (1774). Der künstlerische Einfluss dieser Komponisten untereinander wirkte sich sehr vorteilhaft aus.

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