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[Mozarts Skizzen]

Musikzeitschriften im Portrait: Acta Mozartiana

Mozarts Skizzen

von Ulrich Konrad, aus: Acta Mozartiana Heft 3/4 Dezember 1998

(ungefähr 6 Seiten)

Im Supplement der Neuen Mozart-Ausgabe liegt seit dem Frühjahr 1998 erstmals in der Geschichte der Mozart-Forschung der gesamte heute zugängliche Bestand an Skizzen des Komponisten in mehrfarbigem Faksimile und kritischer Übertragung vor.1 Dabei handelt es sich um die rund 100 Skizzenblätter, die derzeit aus Mozarts Nachlaß bekannt sind. Das Material eröffnet faszinierende Einblicke in Mozarts Werkstatt. Es im Rahmen einführender Bemerkungen erschöpfend behandeln zu wollen, liegt außerhalb des Möglichen. 2 Der folgende Text beansprucht daher auch nicht mehr zu sein als eine Umrißzeichnung, anders ausgedrückt, eine Skizze über Mozarts Skizzen.3

In einem Brief an den Vater, geschrieben in Mannheim am 28. Februar 1778, berichtet Mozart über jüngst entstandene eigene Kompositionen. Unter anderem heißt es da: "gestern habe ich beym wendling die aria die ich ihr versprochen scizirt; mit einem kurzen Rezitativ."4 Dorothea Wendling (1736 - 1811) war die Sängerin - sie sollte 1781 die Partie der Ilia im Idomeneo singen -, Rezitativ und Arie "Basta, vincesti" / "Ah non lasciarmi" KV 295a das ihr zugedachte Werk. Kaum in seiner Bedeutung wahrgenommen worden ist in dieser Mitteilung der Hinweis, daß Mozart ,die aria scizirt' habe. Mozart skizziert - das ist eine Vorstellung, die im Mozart-Bild von Anfang an keinen Platz hatte und auch heute darin nicht mehr als einen flüchtigen Schatten ausmacht. Kaum verblaßt dagegen behauptet sich über zweihundert Jahre nach dem Tod Mozarts der Mythos vom ,Kopfkomponisten'; der erfindet ohne arbeitserleichternde Hilfsmittel seine Werke allein im Kopf und wirft diese aus imaginären, im Gedächtnis festgehaltenen Partituren aufs Papier, oder besser gesagt, er kopiert sie mechanisch aus ihnen. Zahlreiche Anekdoten scheinen die Richtigkeit dieser Vorstellung zu bestätigen, etwa jene, Mozart habe die Ouverture zum Don Giovanni KV 527 in der Nacht vor der Premiere nach einem geselligen Beisammensein mit Freunden und halb betrunken niedergeschrieben, nicht ohne zuvor einigen Bekannten drei verschiedene Versionen der Komposition vorgespielt und um Auswahl gebeten zu haben (von alle dem ist freilich nichts zuverlässig bezeugt oder irgendwie nachprüfbar).

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