Musikzeitschriften im Portrait: Musik & Bildung
Herr Löffel und Frau Gabel
Morgenstern-Lieder im Unterricht der Klassen 5/6 von Uta Hussong und Margarete Sandhäger, aus: Musik & Bildung 2/2002
(ungefähr 5 Seiten)
Was geschieht beim Singen im "normalen" Unterricht heute? Können heutige Kinder und Jugendliche noch singen
oder singen lernen? Ist chormäßiges Singen in altersgleichen Klassen überhaupt (wieder) realisierbar? Wie sind die
fälschlicherweise so genannten "Brummer" zu behandeln? Lohnt sich der zeitliche Aufwand? Kann man es schaffen,
Kinder mit ihrer Stimme auf die Bühne zu bewegen, um ganz normale Unterrichtsergebnisse möglichst "unplugged" -
also wie im Unterricht erarbeitet und deshalb oft ohne große technische Manipulation der Stimmen - zu
präsentieren?
Singen in der Schule? Neu ist das nun wirklich nicht, wurde doch bis in die 1960er Jahre hinein Musikunterricht mit
Singunterricht gleichgesetzt. Man erinnere sich nur an die unsäglichen Paukerfilme: Damals wurde der
Musikunterricht - unreflektierter Chorgesang und bloßstellendes Einzelvorsingen - für die ZuschauerInnen
vergnüglich, für Musikpädagogen und -pädagoginnen verletzend dokumentiert. Ganze Generationen glauben auch
heute noch, es ginge derart im Musikunterricht zu. Noch in derzeit laufenden Fernseh-Serien wird ein Bild von
Musikunterricht mit furchtbarem "Gesinge" von inhaltlich nicht haltbaren (Volks-?)Liedern vermittelt.
Von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, sind wir MusikpädagogInnen nachweislich seit den 1970er-Jahren
fortschrittlich und haben zunehmend diese Fesseln im Unterricht abgelegt, uns um theoriebeladene
Wissenschaftlichkeit bemüht und letztendlich im Unterricht gar nicht mehr gesungen. So sind wir zwar der Gefahr der
"Gleichschaltung" durch Singen und ähnlichem Unsinn entkommen, haben jedoch gleichzeitig das Kind mit dem
Bade ausgeschüttet.
Doch das Chorsingen im gleichstimmigen oder gemischten Schulchor war glücklicherweise nicht auszurotten. Das
Singen im Klassenverband ist eine der preisgünstigsten und für alle (!) zugänglichen Formen des
Ensemblemusizierens überhaupt. Darüber hinaus ermöglicht das Singen dauerhaft eine aktive Teilhabe an der
Musikkultur.
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