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[Donau so blau]

Musikzeitschriften im Portrait: klasse musik

Donau so blau

Ein Welthit aus dem 19. Jahrhundert - Vorschläge für das Musizieren und die fächerübergreifende Arbeit ab Klasse 8

von Wolfgang Koperski, aus: klasse musik 3/2002

(ungefähr 4 Seiten)

Kein anderer Walzer hat es zu einer vergleichbaren Popularität gebracht wie der "Donauwalzer" von Johann Strauß (Sohn). Er ist ein Synonym für die sinfonische Unterhaltungsmusik der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, für das Wienerische, für biedermeierliche Behaglichkeit und Walzerseligkeit. Spätestens seit der Renaissance, die André Rieu und sein Orchester dem Wiener Walzer in den Medien beschert haben, bzw. seit seiner Nutzung als Werbemusik kennen auch viele Jugendliche das zentrale Thema des "Donauwalzers". Und wenn es auch nicht gerade "ihre" Musik ist, so lassen sie sich doch bis zu einem gewissen Grad gerne auf die schwungvollen Strauß'schen Melodien ein, vor allem dann, wenn sie musizierend oder tanzend Erfahrungen mit dem Phänomen Walzer machen können.

Der Wiener Walzer hat sowohl die Kunstmusik der nach ihm kommenden Epochen als auch die Film- und Popularmusik des letzten Jahrhunderts beeinflusst und bereichert. Mit Walzern sind zumeist positive Gefühle, Assoziationen und Bilder verknüpft, sie werden mit Begriffen wie "Schwung", "Freude", "Lebenslust", "Verliebtheit", "festlicher Glanz" in Verbindung gebracht und geben diesen Ausdruck.

Der Wiener Walzer ist zudem Musik, die in starkem Maße Körperlichkeit aufweist: die Temposchwankungen, die "Schaukelrhythmen" der Melodien, die drehenden, kreisenden Achtelketten und das energetische Potenzial, das sich in der Betonung des schnellen Dreiertakts, im leichten Verzögern der zweiten Zählzeit, im rhythmischen Überwinden der schweren Einsen durch Ligaturen, Punktierungen und Synkopen bildet - das alles drückt Bewegung aus und initiiert sie zugleich.

Ich halte es für günstig, SchülerInnen Erfahrungen gerade mit Walzermusik machen zu lassen, weil diese aufgrund der Distanz, die die meisten Jugendlichen zu ihr haben, angenommen und als Material für musikalische Arbeit genutzt werden kann - ohne die "Belastung" durch "In"- oder "Out"-sein, durch Peergroups o. ä., wie es bei aktuellerer Pop- und Rockmusik der Fall wäre. Zudem sind Wiener Walzer im Repertoire der Tanzschulen noch immer gegenwärtig, sie spielen bei bestimmten Festen eine traditionelle Rolle (Brauttanz bei Hochzeiten, Eröffnungstanz bei Bällen u. a. m.) und sind so und durch ihre oben schon erwähnte Rolle als Chiffre für bestimmte Assoziationen ein fester Bestandteil unserer (westlichen) Kultur.

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