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[Musikschule zwischen Bildung und Edutainment]

Musikzeitschriften im Portrait: Üben & Musizieren

Musikschule zwischen Bildung und Edutainment

9 Thesen zum Zusammenhang von Bildungsauftrag der Musikschule, Lehrplanwerk der Verbände und Instrumentalschulen

von Peter Röbke, aus: Üben & Musizieren 3/2002

(ungefähr 8 Seiten)

1 Musikschulen müssen sich als öffentliche Bildungseinrichtungen legitimieren

Der Besuch einer öffentlichen Musikschule stellt eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung dar und von einer lebendigen Musikschule darf man Impulse für das kulturelle Klima ihres kommunalen Umfelds erwarten - diese Feststellungen treffen sicher zu, gelten aber auch für privat betriebene Tanz- oder Reitschulen, ohne dass diese mit dem Verweis auf ihre Bedeutung für Freizeit und Kultur größere Beträge aus Steuermitteln erwarten würden. Und dass in allen genannten Fällen nachhaltig Fähigkeiten und Fertigkeiten (für Tanz, Reitsport oder Violinspiel) erworben werden, steht außer Frage. Dennoch beansprucht nur die Musikschule einen erklecklichen Betrag öffentlichen Geldes.

Musikschule ist eine reichlich teure Angelegenheit und eine triftige Begründung für die budgetäre Sonderstellung einer außerschulischen und in der Freizeit zu besuchenden Einrichtung ist vermutlich nur zu finden, wenn sich die Musikschule in besonderer Weise allgemeinen und fachspezifischen Bildungszielen verpflichtet weiß. Dass auch das Reiten der Persönlichkeitsentwicklung zuträglich ist, muss deshalb nicht in Abrede gestellt werden und überhaupt werden auch marktorientierte Unternehmungen (wie etwa private Akkordeon- oder Keyboardschulen) durchaus auch relevante Bildungswirkungen erzielen können. Nichtsdestoweniger müssen aber öffentliche Musikschulen - bei Strafe des Entzugs von Haushaltsmitteln - sich in besonderer Weise verpflichtet fühlen, die Persönlichkeiten ihrer Schüler zu entwickeln, musikalische und ästhetische Bildung zu vermitteln - wer sich nur auf das Vermitteln instrumentaler Fertigkeiten beschränkt, wird sich zunehmend in Argumentationsnöten befinden.

Der Blick in die offiziellen Dokumente des Musikschulwesens - und ich ziehe hier das Lehrplanwerk des Verbandes deutscher Musikschulen und den Gesamtösterreichischen Rahmenlehrplan der Konferenz österreichischer Musikschulwerke heran - lässt Wünsche offen. Der VdM neigt zu tautologischen Begründungen wie: Die Aufgabe der Musikschule sei es, an die Musik heranzuführen, oder Aufgabe intensiver Musikschularbeit sei die besondere Förderung besonders begabter Schüler - wer hätte das gedacht! Ist es denn überhaupt zweifelsfrei ausgemacht, dass das Musizieren zur "Ausstattung" eines jungen Menschen gehören muss und daher im öffentlichen Interesse liegt? Der österreichische Rahmenplan schlägt hingegen einen etwas anderen Ton an und enthält gleich zu Beginn die Aussage: "Die Musikschule sieht sich einem Bildungsauftrag verpflichtet, der im Einklang mit dem allgemeinbildenden Schulwesen zu einem umfassenden Kultur- und Kunstverständnis führt." In der Folge wird die Bedeutung der musikalischen Ausdrucksfähigkeit für die Persönlichkeit eines Menschen ebenso angesprochen wie mögliche Transfereffekte oder die Tauglichkeit der Musik als "Lebens-Mittel" (und ebenfalls, dass Musikschulen nicht nur den Berufsnachwuchs oder Laienmusiker, sondern auch Konzertbesucher heranbilden können). Ob solche Aussagen Sonntagsrede bleiben oder im Alltag des Musikschulunterrichts zur Realität werden, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

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