Musikzeitschriften im Portrait: Üben & Musizieren
Man lebt nicht nur von Luft und Klang...
Geht das klassische Konzert an seinen Darbietungs- und Rezeptionsidealen zugrunde?
Zur Existenzgründung freiberuflicher MusikpädagogInnen von Stefan Lindemann, aus: Üben & Musizieren 2/2002
(ungefähr 4 Seiten)
Der Autor ist freiberuflicher Musikpädagoge und Komponist. Weitergehende
Informationen zu diesem Thema sind in dem Buch "Marketing für
Musikpädagogen" von Stefan Lindemann nachzulesen, das im Oktober 2002 im
Gustav Bosse Verlag, Kassel, erscheinen wird.
Da steht man nun mit seinem Zeugnis als fertiger "Diplom-Musikpädagoge" und
versucht, sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten. Häufig wird man nach wie
vor von den Lehrkräften an den Hochschulen auf Instrumentalleistung getrimmt
(viel und gut üben gleich Job an der Musikschule oder im Orchester). Auch
die zukünftigen Musikpädagogen sind, bedingt durch die Hochschulstrukturen,
während des Studiums mehr oder weniger ausschließlich musikorientiert,
wogegen an sich nichts einzuwenden ist. Aber die Chance, über privat
erteilten Unterricht sich bereits während des Studiums ein ordentliches
Quantum an Praxiserfahrung zuzulegen, wird nicht immer in dem
wünschenswerten Maß genutzt. Und so steht man dann am Ende des Studiums auf
dem freien Markt und muss sich zunächst orientieren.
Gewohnt, sich in einer fast autistischen Weise den rein musikalischen Dingen
zu widmen, sind viele junge PädagogInnen zunächst verunsichert ob der vielen
unbekannten Sachverhalte, die auf einen einstürmen. Nach einiger Zeit
erkennt man, dass die häufig von den Hochschulen indirekt versprochene
Arbeitsmarktwelt einer quasi garantierten BAT-Musikschulstelle nicht der
Realität entspricht: Abbau von Festanstellungen, ungünstige
Vertragsbedingungen, schlechte Bezahlung für Honorarstellen etc. An diesem
Punkt fragt man sich oft, wofür man eigentlich studiert hat.
Das Berufsfeld der Musikpädagogen wandelt sich stark. Der Markt ist freier
und damit auch für den Pädagogen anstrengender geworden. Aufgrund der
finanziellen Situation der meisten Musikschulträger sind Stellenabbau,
Umwandlung in Honorarstellen und Änderungskündigungen zu Lasten der
Lehrkräfte mittlerweile an der Tagesordnung. Junge MusikpädagogInnen werden
also in Zukunft wesentlich stärker auf den privaten Markt als
Einkommensquelle angewiesen sein.
[weiter...]
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