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[Zuallererst sind wir doch Musiker ...]

Musikzeitschriften im Portrait: Musik & Bildung

Zuallererst sind wir doch Musiker ...

Überlegungen zu den Ursachen des Musiklehrermangels

von Hans Jünger, aus: Musik & Bildung 6/2001

(ungefähr 11 Seiten)

Überall fällt Musikunterricht aus, weil es an MusiklehrerInnen fehlt. Bei der Suche nach den Ursachen richtet sich der Blick meist (und zu Recht) auf die restriktive Einstellungspolitik der Kultusbehörden, auf die schlechten Arbeitsbedingungen und das "Faule-Säcke"-Image der Lehrer sowie auf praxisferne Studieninhalte. Überraschenderweise wird aber kaum die Frage diskutiert, welche Rolle die Modalitäten der Zulassung zum Schulmusikstudium in diesem Zusammenhang spielen:(1) Ist womöglich die Aufnahmeprüfung mit schuld am Musiklehrermangel?

Fehlbesetzung
Die in diesem Beitrag(2) formulierten Überlegungen sind ausgelöst worden durch Beobachtungen in der Hamburger Musiklehrerausbildung. Zwei Beispiele:

  • Zwanzig Lehramtsstudierende unterziehen sich der Eingangsberatung für den so genannten "Lernbereich Musik" (in Hamburg studieren die zukünftigen Grund-, Haupt- und RealschullehrerInnen drei Unterrichtsfächer; zwei davon voll, im dritten - dem "Lernbereich" - nur die Fachdidaktik). Eine Studentin antwortet auf die Frage nach ihrer musikpraktischen Qualifikation, sie spiele Klavier und habe die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule bestanden. "Und was wollen Sie dann hier?" Nun, sie habe auf ihren Schulmusikstudienplatz verzichtet. "Aber warum nur? Der Lernbereich Musik ist doch mit einem Musikstudium nicht zu vergleichen, er bietet ja keinerlei fachlich-musikalische Ausbildung." Das finde sie sehr schade, aber die Aufnahmeprüfung habe ihr klar gemacht, dass es an der Musikhochschule nur um Musik und nicht um Kinder gehe - "ich will ja schließlich Lehrerin werden".
  • Fünfzehn Schulmusikstudierende treffen sich zur Nachbereitung ihres vierwöchigen Schulpraktikums und berichten von ihren Erfahrungen an zwölf Hamburger Schulen. Einmütiges Urteil: gute Erfahrungen. Sie seien besser zurecht gekommen als gedacht; es habe überraschend viel Spaß gemacht; sie könnten sich jetzt viel besser vorstellen, als Lehrer oder Lehrerin zu arbeiten. Und dann die Gewissensfrage: "Haben Sie - Hand aufs Herz - vor, Musiklehrer zu werden?" Sechs sagen: "Ja". Zwei sagen: "Ja, schon, aber keinesfalls für immer." Die übrigen sieben: "Naja, mal sehen, eigentlich möchte ich lieber was anderes machen: Opernsängerin, Geigenlehrerin, Jazzmusiker ..." Wenn überhaupt, dann wollen sie ans Gymnasium, weil sie glauben, dass sie dort am ehesten ihre musikalischen Interessen ausleben können; an eine Grund-, Haupt-, Real- oder Gesamtschule will niemand (noch nicht einmal diejenigen, die das entsprechende Lehramt studieren).

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