Musikzeitschriften im Portrait: Musik in der Grundschule
Indianer-Projekte
Viele kleine Schritte sind ein Tanz von Meinhard Ansohn, aus: Musik in der Grundschule 1/2001
(ungefähr 7 Seiten)
Indianer - das Zauberwort:
Abenteuer, zelten, Lagerfeuer, tanzen, trommeln, singen, stark sein, kämpfen, siegen, jagen, pirschen, die Natur kennen, in Ehren sterben. Das war das Indianerbild einer Nachkriegskindheit, hauptsächlich gespeist von Winnetou oder Lederstrumpf, erst in Büchern, dann in Kinofilmen, schließlich in unzähligen Western im Fernsehen, an denen vorzugsweise Prärie, Action und Heldensiege interessierten.
Indianer - das Heilwort:
Als Indianer überleben - von Indianern lernen, ein geborgtes Aufbegehren gegen die eigenen Gesellschaftszwänge. Aus den späten siebziger Jahren stammen die Hoffnungen, dass Heilkräuter, spirituelle Gesänge und Tänze, weise Worte zum Gemeinschaftsleben, der Dank an Mutter Erde für ihre Gaben, Perlenschmuck und Webkunst und manches "Indianische" mehr unsere Entfremdung von der Natur rückgängig machen könnten.
Indianer - das Unwort:
Im Dickicht der heutigen political correctness, wo man besser "native American" sagt, um nicht an Columbus' unselige Vergangenheit anzuknüpfen, bleibt oft ein schlechtes Gewissen, weil die weißen Vorfahren so viel Blut vergossen haben. Man sagt "indigenous people", aber findet doch, dass "Eingeborene" eigentlich zu primitiv klingt, um alle kulturellen Ausprägungen einer Vielvölkergemeinschaft zu erfassen. Man sieht förmlich die arme, alkoholabhängige Kreatur, auf den unteren Treppenstufen des Wohlstands sitzend, ihres Lebensraums beraubt, das
einst stolze Gesicht aufgedunsen, den Widerstand begraben am Wounded Knee. Mitleid, das zu spät kommt und weder jemandem hilft noch denen gerecht wird, die ihr Leben - ganz unterschiedlich und durchaus auch stolz - einfach leben.
Indianer - die Realität:
Massenhaft pädagogisch aufbereitete Informationen haben das Zauberwort entzaubert.1 Heilworte gelten bei heutigen Kids als uncool und an Unworte traut man sich besser nicht ran. Die Facetten indianischer Lebensrealitäten sind uns dagegen zu weit weg: Was sind heute Reservate? Welche sind bedroht? In welchen entwickelt sich
Autonomie? Wo und wie leben Indianer in der städtischen Welt wirklich? Welchen ist ihre Herkunft heute noch wichtig? Was haben die in noch etwa neun völlig unterschiedlichen Sprachfamilien existierenden weit über 250 Stämme miteinander zu tun?2 Das ist kaum auf einfache Weise darzustellen oder gar zu verstehen.
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