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[In Charons Nachen]

Musikzeitschriften im Portrait: Musik & Bildung

In Charons Nachen

Die Unterweltszene in der Barockoper

von Susanne Rode-Breymann, aus: Musik & Bildung 6/2000

(ungefähr 16 Seiten)

In kulturenübergreifender Musikerziehung spielen Begriffe wie Fremdheit, Andersartigkeit usf. eine zentrale Rolle. Sie führen zwangsläufig zu der Frage: Welche Handlungsvollzüge sind identifizierbar, welche Einstellungen gefordert, um musikalischen Gegenständen sowie den Produktions- und Aneignungsformen nicht einheimischer Kulturen angemessen begegnen zu können? Man kann Kultur verstehen als die Art, wie die Beziehungen einer Gruppe strukturiert und geformt sind, und zugleich als Art, wie diese Formen erfahren, verstanden und gedeutet werden. Kulturen enthalten dann die Landkarten der Bedeutung, welche die in ihnen entstehenden Dinge und ablaufenden Prozesse für ihre Mitglieder verstehbar machen. Diese Landkarten sind in den Formen des gesellschaftlichen Umgangs, seinen Organisationsformen und Institutionalisierungen vergegenständlicht. Durch diese wird ein Individuum zu einem "gesellschaftlichen Individuum".

Nun zeigen sich aber die als einheitlich vorgestellten Kulturen bei genauerem Hinsehen als aus vielen (Sub)Kulturen bestehend. Daraus folgt, dass die Teilnahme an einer (Sub)Kultur eben auch nur jene Bedeutungen und deren Landkarte sichert, die im gesellschaftlichen Handeln dieser einen Kultur erstellt werden. Das aber macht eines deutlich: Inter- bzw. multikulturelle Musikerziehung ist der Spezialfall einer übergreifenden Grundproblematik: die Möglichkeit der Teilnahme und Teilhabe der Menschen an etwas, das ihnen als Nicht-eigenes entgegentritt. Wenn Übergänge in andere Kulturen möglich werden sollen, bedarf es der Hilfen. Eine solche Hilfe stellt der folgende Beitrag von Susanne Rode-Breymann dar. Er baut eine Brücke zu einer Kultur, d. h. zu gesellschaftlichen Beziehungen und Organisationsformen, die nicht (mehr) die unsrigen sind, geschweige die unserer Schülerinnen und Schüler. Aber sie reichen - in der Form von Tradition - in gesellschaftliches Handeln der Gegenwart hinein. Ohne vermittelnde Vergegenwärtigung der "alten" Organisationen und Beziehungen, der "alten" Kultur, bleiben sie Zeugnisse einer fremden Kultur; sie sind dann nicht verstehbar. So gewinnt eine sozialgeschichtlich sich verstehende und in dieser Weise arbeitende Musikwissenschaft eine hoch bedeutsame musikpädagogische Funktion: Sie kann dabei behilflich sein, fremde, und das heißt in diesem Falle: fremd gewordene Kultur zu vermitteln.

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