Sie sind hier:  Portraits > Musikzeitschriften

Musikzeitschriften     | Übersicht | Aktuelle Artikel | Bestellung älterer Ausgaben

[Sonne, Mond und Sterne - haben wir die gerne?]

Musikzeitschriften im Portrait: Musik in der Grundschule

Sonne, Mond und Sterne - haben wir die gerne?

Notizen zum Verhältnis von Menschen, Sternen und Musik

von Meinhard Ansohn, aus: Musik in der Grundschule 3/2000

Auf vier Lieder über die Sonne kommen drei über den Mond und zwei über die Sterne, sagt meine Datenbank. Das entspricht den Antworten von Schülern auf die Frage, was sie am liebsten mögen.(1) Die Mehrheit entscheidet sich für die Sonne: schön, hell, warm, Leben spendend. Weniger Kinder (mehr Mädchen) bevorzugen den Mond: veränderlich, ruhig, gut anzusehen, nachthell. Eine Minderheit, überwiegend Jungen, bevorzugt die Sterne: spannend, herausfordernd, weit weg.
Auch unsere Sprache scheint diese Nähegrade zu den Gestirnen zu enthalten. Das Wort Sonne entstammt dem indogermanischen "sauel"(2) und bedeutet einfach Sonne. Der Ursprung des Worts Mond verliert sich in einer Gruppe von Wörtern, die über "menot" (= Mondwechsel) auf "med" (= Mal, wie "das eine Mal") zurückgehen und soviel wie abmessen, abschreiten, wandern am Himmel bedeuten. Sterne kommen von der Wurzel "ster", gleichbedeutend mit "das am Himmel Ausgestreute".
Von der Sonne zum Mond und bis zu den Sternen wird die konkrete Erfahrung immer undeutlicher. Die Wortbedeutungen sind daher immer weniger am Gegenstand als an unserer Wahrnehmung orientiert. Das zeigen auch die Liedinhalte zu diesem Thema. Die Sonne hat dort meistens mit Wärme und Licht zu tun, dann erst mit dem Lebensgefühl, das daraus folgt. "Die güldene Sonne bringt Leben und Wonne" ist das deutlichste Beispiel dafür und zeigt gleichzeitig das in vielen Liedern religiös empfundene Dankgefühl gegenüber der Leben spendenden Kraft. Der Mond wird zwar gelegentlich in seiner realen Bahn beschrieben, bekommt aber sonst eher Geschichten zugedichtet (neben dem "Mann im Mond" auch jede Menge Liebesgeflüster) und wird oft als Metapher für das Veränderliche, auch das Launische, benutzt.
Sonne und Mond gelten in vielen Kulturen als Verkörperung eines Prinzips von Männlichkeit und Weiblichkeit:(3) die "männliche" Energie des Schaffens und Zerstörens und die "weibliche" des Zyklus, der Polaritäten und des schwingenden Ausgleichs. In den meisten Sprachen ist die Sonne männlich und der Mond weiblich - seltsamerweise nicht in der deutschen Sprache. Die Sterne werden fast gar nicht als Himmelskörper besungen: Ein Stern ist fast immer etwas, das nicht da ist. Stern der Sehnsucht; Stern, der beschützt; Stern, der in uns für etwas leuchtet usw. Nur in der Spaßkultur der Neuen Deutschen Welle gab es Reisen in den konkreten Weltraum (Major Tom, Codo oder Fred vom Jupiter, der "kam vom andern Stern und landete nicht gern").

[weiter...]

Ihnen gefällt diese Seite?
Login
E-Mail:
Kennwort:
Kennwort vergessen?
Newsletter abonnieren
klassik.com empfehlen
Anzeige

harmonia mundi magazin (9/2010) herunterladen (2486 KByte)

Anzeige

NOTE 1 - Mitteilungen (9/2010) herunterladen (3298 KByte)

Jetzt im klassik.com Radio

Ruggero Leoncavallo: aus ´Der Bajazzo´. Prolog des Tonio - Schaut her! Ich bin' s

Radio starten

Empfehlungen der Redaktion
Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...
Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen weiter...
Portrait
Peter Ruzicka im Portrait
""Ich wollte einen Ausbruch aus meiner musikalischen Grammatik wagen""
Peter Ruzicka, vielseitiger Komponist, Dirigent und Kulturmanager, ist „Composer and Artist in Residence“ beim Beethovenfest 2010
Musikzeitschriften
Österreichische Musikzeitschrift
Vorwort
[weiter]
Sponsored Links


Home | Aktuell | Community | Magazin | Portraits | Musikshop | Professionals
Mein klassik.com | Hilfe / Sitemap | Wir über uns | Kontakt
Werbung | Stellenangebote | Praktika | Datenschutz | Lizensierung | Impressum

© Copyright 1993-2010 eMusici.com GmbH - Alle Rechte vorbehalten.
Powered by StageKit 2.0