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Musikzeitschriften im Portrait: Musik & Bildung

"... von seinem treuesten Schüler und ergebensten Verehrer"

Alfred Schnittkes "Moz-Art" für zwei Violinen im Unterricht der Sekundarstufe I

von Bernd Wilms, aus: Musik & Bildung 1/2000

(ungefähr 5 Seiten)

Das Verhältnis zeitgenössischer Komponisten zu Mozart ist geprägt von vorsichtiger Distanz,(1) die dadurch entsteht, dass gerade die akzeptierte Größe seiner Musik einen eigenen kreativen Standpunkt erschwert. Mozarts Musik fordert nicht den kritischen Widerspruch heraus,(2) auch scheint sie so vollendet, dass kaum Anlass für ein Weiterdenken kompositorischer Probleme besteht. Eine Hommage an Mozart gerät zur Huldigung im emphatischen Sinn, sie neigt zum Gestus der Verehrung, zur Zurücknahme eigener Ansprüche. Die Schwierigkeit einer solchen musikalischen Hommage besteht in der nicht einseitig aufzulösenden Dialektik von idealisierter Selbstbeschränkung und dem (berechtigten) ästhetischen Eigenanspruch eines Komponisten.

Alfred Schnittkes Komposition "Moz-Art" ist eine solche Hommage auf den ausdrücklich verehrten Vorgänger.(3) Schnittke hat zwischen 1976 und 1990 unter diesem Titel eine Werkreihe vorgelegt,(4) die sich stets auf das gleiche Stück, Mozarts Faschingspantomime KV 446 (416d), bezieht. Von dieser Musik ist allein die Stimme der ersten Violine erhalten. Schnittke formt seine Komposition aus den originalen Themen und Melodiefragmenten, wobei er behauptet, "nichts hinzukomponiert" und sich allein "auf das Zusammenführen der Themen, die bei Mozart einzeln erklingen, deren Harmonisierung und ähnliches" beschränkt zu haben.(5) Die Vorstellung, zu Mozart sei eigentlich nichts hinzuzufügen, signalisiert den Gestus der Verehrung ebenso wie die dem Werk vorangestellte Widmung, die sprachlich-spielerisch historische Aura und persönlichen Bezug gleichermaßen beschwört: "Lose Blätter einer beinahe verschollenen Partitur des Hofkompositeurs zu Wien, Johannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus Mozart. So Anno 1783 im Februar des selbigen Jahres vom Meister höchsteigenhändigst componieret, [...] auf wunderbare Art von seinem treuesten Schüler und ergebensten Verehrer, Alfredus Henricus Germanus Rusticus zu Moscau anno 1976 in der Nacht vom 23. auf den 24. Februar im Träume erhöret und aus dem Gehör mit höchster Präzision in Notenschrift festgehalten [...]."(6)

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