Musikzeitschriften im Portrait: Musik & Bildung
Ideenbörse 'Globales Komponieren'
von Thomas Münch und Herma Janssen, aus: Musik & Bildung 1/99 Neue Wege im Musikunterricht werden seit fünf Jahren am Gymnasium Cäcilienschule in Oldenburg begangen. Aus der Kooperation eines Musik- mit einem Informatiklehrer ist das "International-Composing-and-Communicating-Project" (ICC) entstanden, an dem inzwischen Schulen mehrerer Kontinente beteiligt sind. Zuerst werden mit Hilfe von Sequenzerprogrammen musikalische Grundideen entwickelt und als MIDI-Standardfiles gespeichert. Die Files werden dann über das Internet an die anderen beteiligten Schulen verschickt, dort bearbeitet und anschließend zurückgeschickt. So entstehen in Kooperation die verschiedensten Musikstücke. Jüngstes gemeinsames Projekt ist das Erstellen einer Hymne für das ICC-Projekt.2 Begleitend zu den MIDI-Files schreiben sich die SchülerInnen Briefe mit Anmerkungen zu ihrer kompositorischen Arbeit. Aber auch Persönliches wird berichtet. "Geschäftssprache" ist Englisch. Einige SchülerInnen haben persönliche Webseiten, auf denen sie sich (mit Foto) vorstellen und angeben, wo ihre Kompositionen abgerufen werden können. Ideen, mit Live-Streaming in Echtzeit miteinander zu musizieren, werden zwischen den beteiligten Lehrern diskutiert, sind aber beim derzeitigen Stand der Technik (in den Schulen) nicht zu realisieren.
Schon die Arbeit mit Sequenzerprogrammen im Musikunterricht ist eine Herausforderung; mit der Integration des Internets ist eine weitere hinzugekommen. Das Internet ist zunächst einmal ein technisches Problem. In den meisten Klassenräumen gibt es noch keinen Internet-Anschluss, auch wenn durch die Initiative "Schulen ans Netz" viele Schulen inzwischen eine Grundausstattung erhalten haben.3 Und dann muss die Bedienung der wichtigsten Programme erlernt werden. Sind die technischen Schwierigkeiten überwunden, zeigt es sich, dass auch die Kommunikation via Internet gelernt werden muss. Zunächst dominiert die Lust am technisch Möglichen. Sie ist ein hoher Motivationsfaktor, kann aber auch zum Problem werden. Kaum hat sich der Lehrer weggedreht, da haben die SchülerInnen schon die nächste "fachfremde Seite" aufgerufen. Dass mit dem Internet auch ernsthaft gearbeitet werden kann, muss erst erfahren werden.
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