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[Handeln? - Handeln!]

Musikzeitschriften im Portrait: Musik & Bildung

Handeln? - Handeln!

Überlegungen zu einer an sich selbstverständlichen Voraussetzung des Musikunterrichts

von Hans Bäßler, aus: Musik & Bildung 6/98

(ungefähr 7 Seiten)

wahrscheinlich noch die meisten MusiklehrerInnen aus ihren musikpädagogischen Veranstaltungen im Studium vor etwa 15 bis 20 Jahren: den Streit zwischen der Gruppe der sog. "Handlungsorientierten" und den "Hermeneutikern". Wer sich damals nicht an diesem Streit beteiligen konnte oder wollte, bekam sehr schnell den Stempel des Ignoranten aufgedrückt, der noch nicht begriffen hatte, was die musikpädagogische Stunde geschlagen hatte. Dieser Streit orientierte sich im wesentlichen an drei Publikationen, die noch heute Gegenstand vieler Prüfungen im ersten und/oder zweiten Staatsexamen sind: Karl Heinrich Ehrenforths Verstehen und Auslegen (1971)1, Christoph Richters Theorie und Praxis der didaktischen Interpretation (1976)2 und Hermann Rauhes et. al. Hören und Verstehen (1975).3

Eines fällt aus heutiger Sicht auf: Der Streit rankte sich um Arbeiten, von denen man sagen kann, daß sie (bei allen gegenteiligen Bekenntnissen in den Texten) mit der unterrichtlichen Praxis direkt eigentlich nur wenig zu tun hatten. Selbst der Praxisteil in Richters Band beabsichtigt weniger eine unmittelbare unterrichtliche Hilfe, sondern versucht eine Brücke zwischen allgemeinen geistesgeschichtlichen Einsichten und speziellen musikwissenschaftlichen sowie musikalisch-analytischen Gesichtspunkten zu schlagen.

Zugleich verwendete man in diesem Streit gern bestimmte Schubladen, in die die jeweilige gegnerische Position eingepaßt wurde: So behauptete man gern, die Didaktische Interpretation von Musik sei im wesentlichen gymnasial, die Handlungsorientierung aber für die anderen Schularten, besonders aber für die Grund- und Hauptschule gedacht. Oder auf eine kurze Formel gebracht: die erstere sei intellektualistisch, die zweite praktizistisch. Beide Zuordnungen haben sich als sachlich falsch erwiesen, weil sie nicht begriffen, daß es in den Unterrichtsprozessen weder ein Handeln ohne Reflexion dessen geben kann, was be-handelt werden soll, noch eine Interpretation, die das konkrete Handeln nicht einbezieht. Geradezu unsinnig aber ist die Zuweisung zu einer bestimmten Schulart, als ob in der einen nur gehandelt, in der anderen nur gedacht würde.

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